Business Hack by KB Consulting und Coaching e. K.: Flurfunk

In unserer Serie #Business Hack! teilt Karin Bacher, renommierte Expertin und Geschäftsführerin von Karin Bacher Consulting & Coaching e. K., ihr Fachwissen zu spannenden Themen in der Arbeitswelt.
Karin Bacher, Geschäftsführerin von KB Consulting & Coaching e. K.. Foto: Tobias Fröhner

04.04.2025

Flurfunk – was kocht in der Gerüchteküche?

Immer wieder in meiner Beraterpraxis kommen diese und ähnliche Fragen auf: „Wie können wir den Flurfunk im Unternehmen unter Kontrolle bringen?“

Meine Antwort: Es wird immer Flurfunk geben und er muss per se nichts Negatives sein. Austausch ist wichtig und gerade in Teams, die teils oder überwiegend mobil arbeiten, sehr wichtig. Dazu gehört gelegentlich auch, sich im Kollegenkreis über etwas zu ärgern. Manchmal reicht ein Sich-Luft-Machen aus, damit es danach wieder konstruktiv weitergehen kann.

Die Gerüchteküche dagegen, im Sinne von Eigen-Interpretationen über gewisse Sachverhalte oder Aussagen, kann in Unternehmen kritisch werden. Meist bekommen Führungskräfte zu spät mit, was da bei den Mitarbeitenden brodelt, denn sie sind oft nicht bei den Kaffeeküchengesprächen dabei. Gerade in Veränderungsprozessen und in Krisenzeiten ist es daher wichtig, professionell und nachhaltig zu kommunizieren – und zwar immer wieder mit denselben Botschaften, die im besten Fall im Managementkreis verabschiedet wurden. Mein Rat, wie in Unternehmen gut mit Flurfunkt umgehen können:

Vorbeugung heißt Zuhören

Mein einfachster Rat heißt schlicht: Fragen und zuhören, ein offenes Ohr haben für das, was Mitarbeitende über das Unternehmen denken – was natürlich auch einschließt, was sie über die Führung denken. Eine offene und transparente Gesprächsatmosphäre, die alle Hierarchieebenen einschließt, ist Voraussetzung für die Nicht-Entstehung von Gerüchten, sowie deren schnelles Einfangen, sollten sie bereits entstanden sein. Denn der Grund für diese negative Art von Flurfunk ist immer ein Kommunikations-Vakuum, das durch mangelhaften Austausch entsteht, was Vermutungen, Ängste und Befürchtungen bei den Mitarbeitenden auslöst. Falschinformationen werden auf informellen Wegen weitergegeben, die den Arbeitsfrieden stören und die Arbeitsleistung mindern.

Natürlich haben nicht alle Mitarbeitende den Anspruch, dieselben Informationen zu erhalten, die ab einer bestimmten Ebene vertraulich zu behandeln sind. Bei der internen Kommunikation ist das richtige Verhältnis hinsichtlich der Informationsweitergabe zu berücksichtigen, damit die Mitarbeitenden weder zu viel noch zu wenig informiert werden. Das Betriebsverfassungsgesetz schreibt in § 81 dem Arbeitgeber die Unterrichtungs- und Erörterungspflicht vor, wonach er Mitarbeitende über Aufgaben, Verantwortung, Art der Tätigkeit und die Einordnung in den Betriebsablauf zu unterrichten hat. Dazu gehören auch Informationen zum Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz, Gleichstellung und Datenschutz. Dafür stehen auf der formalen Ebene zahlreiche Instrumente zur Verfügung, vom schwarzen Brett über interne Newsletter, dem Intranet, Townhalls und Chat-Boards bis zu (protokollierten) Mitarbeitergesprächen.

Flurfunk, der Indikator für die aktuelle Stimmung im Unternehmen

Am wichtigsten ist darüber hinaus jedoch die informelle interne Kommunikation, die nicht vorgeschriebenen und nicht organisatorisch geregelt ist und eher eine soziale Funktion erfüllt. Hierzu gehören Informationen und Gespräche über den Purpose (Zweck) der Arbeit und die Vision und Werte des Unternehmens generell. Aber auch Regeln der Zusammenarbeit, anstehende Veränderungen und Verbesserungen – bis hin zur Offenlegung von Problemen, die das Unternehmen betreffen. Denn Spekulationen darüber sind meist die Ursache für aufkommendes Gerede, das immer auch mehr tatsachengerecht eingeordnet werden kann.

Und nicht zu vergessen: Das Gesagte und das Gelebte muss zusammenpassen. Mit womöglich ausfallenden Bonuszahlungen, die in Zeiten wie diesen schon mal vorkommen und schnell Flur-Gesprächsstoff liefern, und andererseits der Entscheidung für hohe und schwer erklärbare Ausgaben fürs Unternehmen, lebt man das Falsche vor. Der Verlust der Vorbildfunktion als Führungskraft öffnet der Gerüchteküche Tür und Tor.

Fazit: Vorbildrolle leben

Management und alle Führungsebenen sind deshalb aufgefordert, transparent zu kommunizieren und das Gesagte im Unternehmen vorzuleben. Wichtig in Zeiten wie diesen, ist es, Entscheidungen zu erklären und transparent zu machen. Dann bleibt die Kaffeeküche als Begegnungsort sie selbst und wird nicht zur Gerüchteküche.

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Zur Person Karin Bacher:

Karin Bacher, Gründerin der Managementberatungsfirma KB Consultants in Pforzheim und Autorin zahlreicher Fachpublikationen, bringt langjährige Erfahrung mit. Ihr Team aus erfahrenen BeraterInnen, Trainern und Coaches unterstützt Unternehmen bei der Bewältigung von Krisen, der Entwicklung von Wachstumsstrategien und der Förderung von Führungskräften.

kb / mm

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