Oliver Reitz
Direktor des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP)
21.05.2024
Viele Recruiter kennen diese Situation. Man hat gefühlt gerade noch ein sehr vielversprechendes Telefonat oder Bewerbungsgespräch mit jemandem geführt und im nächsten Moment verschwindet diese Person urplötzlich. Keine Absage, keine Erklärung, einfach weg. So fühlt es sich an, wenn man geghostet wurde.
Mit einer erschreckenden Statistik von knapp 45 Prozent der Bewerbenden, die potenzielle Arbeitgebende ghosten, wirft dieses Phänomen Fragen auf und sorgt für Kopfzerbrechen. Besonders dann, wenn man selbst direkt betroffen ist. Bei unseren Kunden sorgt ein solches Verhalten zu Frust. In vielen Personalabteilungen sind die Ressourcen knapp. Vertane Zeit, das Gefühl bei Personalverantwortlichen unfair behandelt sowie als Person nicht ernst genommen zu werden steigern nicht unbedingt das Vertrauen in die Jugend.
Vor Kurzem erlebten wir eine unangenehme Situation: Eine Bewerberin, die zum zweiten Gespräch eingeladen wurde, erschien einfach nicht. Versuche, sie zu erreichen, blieben erfolglos, denn sie hatte die Nummer unseres Büros auf ihrem Handy blockiert. Doch warum macht man so etwas? Natürlich könnte man mit den fehlenden Manieren der meist jungen Leute argumentieren, doch steckt vielleicht mehr dahinter? Unserer Ansicht nach gibt es hier mehrere Erklärungen zu:
1. Gewohntes Verhalten aus Dating-Apps und Social Media:
Viele Menschen sind daran gewöhnt, in ihrem privaten Umfeld Personen zu ghosten, sei es nach Dates oder in sozialen Netzwerken. Dieses Verhalten scheint sich auch auf den beruflichen Bereich auszudehnen, ohne dabei die Konsequenzen zu bedenken.
2. Schlechte Erfahrungen aus Bewerbungsprozessen:
Einige Bewerbende geben an, dass sie selbst schlechte Erfahrungen mit Unternehmen gemacht haben, sei es durch fehlende Reaktionen auf Bewerbungen oder mangelnde Erklärungen für Absagen. Dies führt dazu, dass sie das Verhalten der Unternehmen als normal ansehen und es auch selbst praktizieren.
3. Feigheit:
In einer Zeit, in der es einfach ist, sich hinter Aliassen, also der Anonymität des Internets, zu verstecken und direkten Konfrontationen aus dem Weg zu gehen, wird das Ghosting auch als eine Form der Feigheit interpretiert.
Um dem Phänomen des Ghosting entgegenzuwirken, können Organisationen ihre Bewerbungsprozesse verschlanken und ihre Kommunikation Richtung potenziellem Mitarbeitenden verbessern. Ein offener und transparenter Umgang mit Bewerbenden kann dazu beitragen, Missverständnisse zu vermeiden und das Vertrauen zu stärken. Zusätzlich können Unternehmen klare Erwartungen an ihre Mitarbeitenden kommunizieren und ein Wertesystem etablieren, das professionelles Verhalten fördert.
Persönlich haben wir beschlossen, Ghosting direkt beim ersten Gespräch anzusprechen und klarzustellen, was wir von Mitarbeitenden in Sachen Professionalität erwarten. Auch wenn der Erfolg dieses Vorgehens ungewiss ist, ist es ein Schritt in die richtige Richtung. Denn letztendlich möchten wir uns Fehleinstellungen ersparen und sicherstellen, dass unsere Mitarbeitenden zu unseren Unternehmenswerten passen.
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Zur Person:
Karin Bacher, Gründerin der Managementberatungsfirma KB Consultants in Pforzheim und Autorin zahlreicher Fachpublikationen, bringt langjährige Erfahrung mit. Ihr Team aus erfahrenen BeraterInnen, Trainern und Coaches unterstützt Unternehmen bei der Bewältigung von Krisen, der Entwicklung von Wachstumsstrategien und der Förderung von Führungskräften.
kb / mm
21.05.2024
Viele Recruiter kennen diese Situation. Man hat gefühlt gerade noch ein sehr vielversprechendes Telefonat oder Bewerbungsgespräch mit jemandem geführt und im nächsten Moment verschwindet diese Person urplötzlich. Keine Absage, keine Erklärung, einfach weg. So fühlt es sich an, wenn man geghostet wurde.
Mit einer erschreckenden Statistik von knapp 45 Prozent der Bewerbenden, die potenzielle Arbeitgebende ghosten, wirft dieses Phänomen Fragen auf und sorgt für Kopfzerbrechen. Besonders dann, wenn man selbst direkt betroffen ist. Bei unseren Kunden sorgt ein solches Verhalten zu Frust. In vielen Personalabteilungen sind die Ressourcen knapp. Vertane Zeit, das Gefühl bei Personalverantwortlichen unfair behandelt sowie als Person nicht ernst genommen zu werden steigern nicht unbedingt das Vertrauen in die Jugend.
Vor Kurzem erlebten wir eine unangenehme Situation: Eine Bewerberin, die zum zweiten Gespräch eingeladen wurde, erschien einfach nicht. Versuche, sie zu erreichen, blieben erfolglos, denn sie hatte die Nummer unseres Büros auf ihrem Handy blockiert. Doch warum macht man so etwas? Natürlich könnte man mit den fehlenden Manieren der meist jungen Leute argumentieren, doch steckt vielleicht mehr dahinter? Unserer Ansicht nach gibt es hier mehrere Erklärungen zu:
1. Gewohntes Verhalten aus Dating-Apps und Social Media:
Viele Menschen sind daran gewöhnt, in ihrem privaten Umfeld Personen zu ghosten, sei es nach Dates oder in sozialen Netzwerken. Dieses Verhalten scheint sich auch auf den beruflichen Bereich auszudehnen, ohne dabei die Konsequenzen zu bedenken.
2. Schlechte Erfahrungen aus Bewerbungsprozessen:
Einige Bewerbende geben an, dass sie selbst schlechte Erfahrungen mit Unternehmen gemacht haben, sei es durch fehlende Reaktionen auf Bewerbungen oder mangelnde Erklärungen für Absagen. Dies führt dazu, dass sie das Verhalten der Unternehmen als normal ansehen und es auch selbst praktizieren.
3. Feigheit:
In einer Zeit, in der es einfach ist, sich hinter Aliassen, also der Anonymität des Internets, zu verstecken und direkten Konfrontationen aus dem Weg zu gehen, wird das Ghosting auch als eine Form der Feigheit interpretiert.
Um dem Phänomen des Ghosting entgegenzuwirken, können Organisationen ihre Bewerbungsprozesse verschlanken und ihre Kommunikation Richtung potenziellem Mitarbeitenden verbessern. Ein offener und transparenter Umgang mit Bewerbenden kann dazu beitragen, Missverständnisse zu vermeiden und das Vertrauen zu stärken. Zusätzlich können Unternehmen klare Erwartungen an ihre Mitarbeitenden kommunizieren und ein Wertesystem etablieren, das professionelles Verhalten fördert.
Persönlich haben wir beschlossen, Ghosting direkt beim ersten Gespräch anzusprechen und klarzustellen, was wir von Mitarbeitenden in Sachen Professionalität erwarten. Auch wenn der Erfolg dieses Vorgehens ungewiss ist, ist es ein Schritt in die richtige Richtung. Denn letztendlich möchten wir uns Fehleinstellungen ersparen und sicherstellen, dass unsere Mitarbeitenden zu unseren Unternehmenswerten passen.
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Karin Bacher, Gründerin der Managementberatungsfirma KB Consultants in Pforzheim und Autorin zahlreicher Fachpublikationen, bringt langjährige Erfahrung mit. Ihr Team aus erfahrenen BeraterInnen, Trainern und Coaches unterstützt Unternehmen bei der Bewältigung von Krisen, der Entwicklung von Wachstumsstrategien und der Förderung von Führungskräften.
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