Blick hinter die Kulissen: Wie Amazon in Pforzheim Logistik auf Hochglanz bringt

Am 30. Juli 2025 lud das Wirtschaftsmagazin wirtschaftskraft.de gemeinsam mit Amazon zur exklusiven Sommertour in das Amazon-Logistikzentrum im Pforzheimer Gewerbegebiet Buchbusch ein. Rund 50 Leserinnen und Leser erhielten bei zwei ausgebuchten Führungen seltene Einblicke in eines der größten und modernsten Fulfillment-Center Deutschlands – das einzige seiner Art in Baden-Württemberg.
Geschäftsführer Christian Breiner persönlich begleitet die Gruppe durch die beeindruckenden Hallen des Standorts Pforzheim. Foto: Sandra Gallian

01.08.2025

von Sandra Gallian

Willkommen in der Welt der Hochregale und Paketflut

Bevor die Besucherinnen und Besucher mit Sicherheitsweste und Audioguide durch das gigantische Zentrum geführt wurden, begrüßte Geschäftsführer Christian Breiner die Gäste persönlich. Eine kurze Einführung vermittelte den Teilnehmenden zunächst, wie sich Amazon seit seiner Gründung aus der berühmten Garage in Seattle zur globalen Logistikmacht entwickelt hat.

„Vor 13 Jahren hatten wir noch fünf Standorte, heute sind es über 100 – allein 23 davon in Deutschland“, erläuterte Breiner. Dass Amazon längst nicht mehr nur Bücher liefert, sondern sich zunehmend auf Alltags- und Verbrauchsgüter konzentriert, wussten die interessierten Gäste.

Zum Auftakt der Besichtigung erhalten die Teilnehmenden eine Einführung in die Unternehmensstruktur und Arbeitsabläufe bei Amazon.

Ein Standort mit 24/6-Betrieb – und deutschen Besonderheiten

Im Pforzheimer Logistikzentrum wird an sechs Tagen in der Woche im 24-Stunden-Betrieb gearbeitet. Der Sonntag bleibt, wie gesetzlich vorgeschrieben, frei – eine Besonderheit, die laut Breiner immer wieder herausfordert: „Am Montag müssen wir den Rückstand des Sonntags aufholen. Das ist operativ anspruchsvoll, aber notwendig, um das System stabil zu halten.“

Aktuell sind etwa 1400 Mitarbeitende beschäftigt, wegen der Ferienzeit sind es momentan etwas weniger. Gearbeitet wird in drei Schichten. Die laufenden Prozesse sind gut durchdacht und wirken auf viele Besucher fast geräuschlos. „Ich hätte es mir viel lauter und hektischer vorgestellt“, bemerkte eine Besucherin erstaunt.

Ausgestattet mit Sicherheitswesten und Audioguides erleben die Besucherinnen und Besucher eine geführte Tour durch das riesige Logistikzentrum.

Chaotisch? Ja – aber mit System!

Beeindruckt zeigten sich die Teilnehmer von den bis zu zehn Meter hohen Hochregallagern. Dass die Waren manuell in sogenannter „chaotischer Lagerung“ einsortiert werden, statt vollautomatisch, verwunderte zunächst. Breiner erklärte: „Das große Produktspektrum macht eine vollständige Automatisierung komplex – manuelle Prozesse sind in diesem Fall flexibler.“

Die Gäste erfuhren, wie eine Bestellung von der Eingabe bis zur Auslieferung verarbeitet wird – über Inbound- und Outbound-Zonen, Sortier- und Verteilzentren, bis hin zum Endkunden. Die Logistik wirkt wie ein präzise abgestimmtes Uhrwerk.

„Bitte dicht zusammenbleiben“ – die Gruppe bleibt auf Tuchfühlung, damit niemand im weitläufigen Areal verloren geht.

Faire Löhne und gezielte Weiterbildung

Auch die Arbeitsbedingungen kamen zur Sprache: Amazon zahlt ungelernten Kräften 15 Euro Stundenlohn – nach zwei Jahren automatisch 17,65 Euro. Das entspricht einem Jahreseinkommen von rund 38.000 Euro, zuzüglich Extras wie Berufsunfähigkeitsversicherung, Lebensversicherung und 100% übernommene Weiterbildungskosten. „Wir bieten über 100 Programme an – und niemand muss sich dafür vertraglich an uns binden“, betonte Breiner.

Sprachkurse und individuelle Förderprogramme werden von vielen Mitarbeitenden aktiv genutzt.

Nachhaltigkeit auf dem Dach und Strom zum Selbstkostenpreis

Rund 50 Prozent der Gebäudefläche – das entspricht 60.000 Quadratmetern – sind mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. 24 neue E-Ladesäulen sollen in Kürze folgen. Mitarbeitende können den Strom dort zum Großhandelspreis laden. Ein weiterer Baustein für mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen.

Großes Staunen vor den meterhohen Hochregallagern: Die Dimensionen des Logistikzentrums beeindrucken die Gäste.

Einblicke in die Technik der Lieferkette

Auf dem Rundgang durch das H-förmige Gebäude lernten die Besucher die verschiedenen Bereiche kennen: Lagerhallen mit breiten und schmalen Gängen, Gefahrstoffzonen, Verpackungsstraßen und Kontrollstationen. Die Verpackung erfolgt individuell – aus über 30 Kartongrößen wählt ein System die passende aus.

Viele waren überrascht von der räumlichen Großzügigkeit der Hallen. „Ich war positiv angetan, dass es so geräumig ist. Das passt aber in mein Weltbild“, sagte ein Teilnehmer. „Ich bin schon 16 Jahre Kunde und meine Tochter macht PR für Amazon. Dennoch ist der Ablauf komplexer, als ich ihn mir vorgestellt hätte – vor allem auch durch die ganzen eingesetzten programmierten Systeme, die ja mal angepasst werden mussten.“

In der letzten Halle laufen alle Fäden zusammen: An Monitoren wird überprüft, ob LKWs rechtzeitig abfahren, ob alles richtig verpackt ist und ob Personal und Material an Ort und Stelle sind.

Ein Regenschirm zum Abschied – und viele neue Eindrücke

Nach dem Rundgang kehrte die Gruppe zurück in den Empfangsbereich, wo weitere Fragen beantwortet wurden. Zum Abschied überreichte das Team von Amazon eine Geschenktasche – mit einem Regenschirm, einem Kartenspiel und einer Tasse. „Der Schirm wird im Sommer sicher noch gebraucht“, scherzte Christian Breiner.

Die Teilnehmenden zeigten sich durchweg beeindruckt: „Die Dimensionen, der Ablauf, die leise Effizienz – das hätte ich nicht erwartet“, so das Fazit einer Besucherin. Die Amazon-Sommertour von wirtschaftskraft.de bot eindrucksvolle Einblicke in eine Welt, die für viele meist nur bis zur Haustür reicht.

Alle Fotos: Sandra Gallian

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