Azubis als Vorbilder – wenn junge Menschen junge Menschen begeistern

„Schulabschluss geschafft – und was kommt jetzt? Ausbildung natürlich!“ Wenn Knut Lohrisch, Mitglied der Geschäftsführung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald, diese Frage stellt, meint er das ernst. Denn: Die berufliche Ausbildung ist für viele junge Menschen ein sicherer und chancenreicher Einstieg ins Arbeitsleben. Damit das auch ankommt, setzt die IHK Nordschwarzwald auf die Kraft persönlicher Begegnungen.
Die Ausbildungsbotschafter strahlten nach der Ehrung durch die IHK. Mit ihrem Engagement und ihren Schuleinsätzen haben sie Schülerinnen auf Augenhöhe bei ihrer Berufsorientierung unterstützt und wertvolle Einblicke in verschiedene Berufsfelder gegeben. Links vorn: Knut Lohrisch, Mitglied der Geschäftsführung der IHK Nordschwarzwald und Alexandra Holler (2.v.R.), Koordination des Projekts Ausbildungsbotschafter sowie Martin Exner (1.v.r.), Dozent für die Schulungen der Ausbildungsbotschafter:innen Foto: IHK Nordschwarzwald / Michael Hasch

24.06.2025

Ausbildung zum Anfassen

Das Erfolgsrezept: Ausbildungsbotschafter:innen. Sie sind Auszubildende, die aus erster Hand berichten, was sie tagtäglich erleben – in ihrem Betrieb, in der Berufsschule, auf dem Weg in die eigene Zukunft. Im Klassenzimmer werden sie zu glaubwürdigen Vorbildern und Wegbereitern. Sie machen Ausbildung greifbar, konkret und vor allem: attraktiv.

Für dieses Engagement hat die IHK Nordschwarzwald nun ihre Ausbildungsbotschafter:innen ausgezeichnet. Rund 90 junge Frauen und Männer waren im Schuljahr 2024/25 in der Region unterwegs – bei 79 Einsätzen in weiterführenden Schulen. Insgesamt erreichten sie 1.773 Schüler. „Sie, liebe Ausbildungsbotschafterinnen und Ausbildungsbotschafter, setzen sich dort ein, wo es zählt: An der Schnittstelle von Schule und Beruf, von Zukunftsplanung und Realität. Sie sind nicht nur Botschafter für Ihre Berufe, Sie sind Gestalter der wirtschaftlichen Zukunft unserer Region“, lobte Knut Lohrisch das Engagement der Botschafter.

Zwischen Orientierungslosigkeit und Perspektive

Tatsächlich zeigt sich seit Jahren ein Trend: Immer mehr Jugendliche verlassen die Schule ohne konkreten Berufswunsch. Viele entscheiden sich für das Abitur oder ein Studium – nicht selten aus Mangel an Information oder aufgrund von Vorurteilen gegenüber der dualen Ausbildung. Die Folge: offene Ausbildungsstellen, ungenutzte Potenziale, wachsende Fachkräftelücke.

Hier setzt die landesweite Initiative „Ausbildungsbotschafter“ an. Seit 2011 bringt sie Azubis in die Klassenzimmer – mit dem Ziel, Schülerinnen und Schüler frühzeitig für die Berufsausbildung zu sensibilisieren. Sie berichten persönlich und praxisnah von ihrem Berufsalltag, beantworten Fragen und räumen mit Mythen auf. Der Effekt: Der Weg ins Arbeitsleben wird anschaulich, erreichbar – und deutlich spannender, als es mancher Lehrplan vermuten lässt.

Beeindruckende Bilanz

Die Zahlen sprechen für sich: Seit dem Start der Initiative wurden landesweit mehr als 29.000 Ausbildungsbotschafter:innen aus über 200 Berufen geschult. Aktuell sind über 4.600 von ihnen aktiv, meist im Tandem. Gemeinsam haben sie bislang mehr als 27.000 Schuleinsätze absolviert – und damit über 640.000 junge Menschen erreicht.

Und auch die Eltern werden nicht vergessen: Bei Elternabenden treten sogenannte Senior-Ausbildungsbotschafter:innen auf – berufserfahrene Fachkräfte, die einst selbst mit einer Ausbildung gestartet sind. Sie zeigen: Beruflicher Erfolg ist keine Frage des Titels, sondern der Leidenschaft und des Engagements.

Die Leitstelle der vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg geförderten Landesinitiative Ausbildungsbotschafter ist beim Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) angesiedelt. Weitere Partner der Initiative sind der Baden-Württembergische Handwerkstag, die Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände e.V. und der Deutsche Gewerkschaftsbund Baden-Württemberg.

pm/tm

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