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Arbeitgeber unter Beobachtung – schlechte Online-Bewertungen bringen das Employer Branding ins Wanken

Der Trend, wonach sich Job-Interessierte auf Bewertungsportalen über ein Unternehmen informieren, wächst weiter. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Branchenverbands Bitkom.
©GerdLache

Von Gerd Lache | 17.04.2021

Das Arbeitsklima ist unterirdisch. Die hohe Mitarbeiterfluktuation sagt alles. Das Rollen- und Geschlechterverhältnis ist antiquiert. Kein Lob, nur Kritik. – Unternehmen mit derart schlechten Arbeitnehmer-Referenzen auf den Online-Bewertungsportalen haben es angesichts des Fachkräftemangels zusätzlich schwer, gute Beschäftigte zu finden.

Da sind Kommentar wie beispielsweise folgende dem Recruiting schon eher förderlich: „Innovativ, Ideen werden aufgegriffen und belohnt, flexibel, Freiheit, den eigenen Arbeitsstil zu leben“ (über Witzenmann in Pforzheim) oder „Macht viel für seine Mitarbeiter, viele Feste, Stammtische zum Zusammenhalt, Lohn und Zugaben sind sehr gut“ (über Alpirsbacher Klosterbräu).

©bitkom/Composing_GerdLache

„Eine gute Bewertung kann die Entscheidung für einen Job-Wechsel maßgeblich beeinflussen – und die Bedeutung wird immer größer“, sagt Bitkom-Arbeitsmarkt-Expertin Adél Holdampf-Wendel. Arbeitgeber sollten die Bewertungen daher ernst nehmen. Sie sollten die Chance nutzen, die Erwartungen potenzieller Bewerbender an das Unternehmen besser kennen zu lernen und einschätzen zu können. Auch ob ein Arbeitgeber auf eine Online-Bewertung reagiere und wenn ja, wie, könne das eigene Image prägen, sagt Holdampf-Wendel.

Laut einer repräsentativen Umfrage des Branchenverbands Bitkom bei mehr als 1000 Personen über 16 Jahren informiert sich knapp die Hälfte der Web-Nutzerinnen und Nutzer online über Bewertungen von Arbeitgebern – und viele lassen sich bei der Job-Suche davon beeinflussen. Demnach waren 47 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer schon einmal auf Online-Portalen wie kununu.com, meinchef.de oder glassdoor.de. unterwegs.

Seit 2018 stieg die Zahl derjenigen, die sich auf Online-Plattformen informieren, um elf Prozentpunkte. Vor drei Jahren informierten sich noch 36 Prozent darüber, wie aktuelle und ehemalige Angestellte ein Unternehmen bewerten.  Für Berufstätige sind Arbeitgeber-Bewertungen im Netz besonders interessant. Hier sagt laut Bitkom eine knappe Mehrheit (52 Prozent), dass er oder sie im Internet entsprechende Bewertungen liest.

Pro oder kontra Job-Wechsel

„Wie ein Arbeitgeber beurteilt wird, hat auch Auswirkungen auf die Entscheidung für oder gegen einen Job“, heißt es in der Bitkom-Umfrageauswertung. 44 Prozent aller Befragten, die sich über Arbeitgeber informiert haben, geben an, dass das ihre Entscheidung für einen Job-Wechsel beeinflusst hat.  18 Prozent sagen, die Arbeitgeberbewertungen hätten sie zwar verunsichert, aber sie hätten sich trotzdem für den Job entschieden.  14 Prozent fühlten sich in ihrer Entscheidung für den neuen Arbeitgeber bestärkt. Und 12 Prozent haben sich aufgrund der Arbeitgeberbewertungen im Internet gegen den möglichen Wechsel entschieden.  Weitere 13 Prozent geben an, dass die Bewertungen ihre Entscheidung nicht beeinflusst hätten. Und zwei Fünftel (40 Prozent) hatten nicht die Absicht, ihren Job zu wechseln.

Indes sollten sich „Job-Interessenten nicht von einzelnen Bewertungen blenden lassen, sondern sich immer ein umfassendes Bild machen. Je mehr Einträge es gibt, desto plausibler ist das Gesamturteil“, sagt Holdampf-Wendel. „Es sollte klar sein, dass Online-Bewertungen eher eine Orientierungshilfe sind und immer subjektive Empfindungen widerspiegeln.“

Online-Bewertungen sind für Job-Interessenten eine Orientierungshilfe. ©Bieri/Composing_GerdLache

Wie sollte ein Personaler oder ein Arbeitgeber mit negativen Bewertungen umgehen?

Dazu empfiehlt Kununu, der 2007 in Wien gegründete Markführer der Branche, unter anderem:

Bewerter nutzen kununu, um auf Verbesserungsmöglichkeiten in Unternehmen hinzuweisen. Arbeitgeber sollten dieses Feedback ernst nehmen und vielmehr als Chance sehen. Jeder Arbeitgeber habe die Möglichkeit, dem Support-Team Rückmeldung zu geben. Liege eine Bewertung mit bedenklichem Inhalt vor, werde dies umgehend überprüft. „Entspricht diese weder den gesetzlichen als auch unseren freiwillig selbst auferlegten Kriterien, wird der User verständigt, seine Bewertung dahingehend zu korrigieren.“

Zudem hätten Personal-Verantwortliche die Möglichkeit, bei kununu einen Arbeitgeber-Account zu Nutzen und zu den Bewertungen und Kommentaren offiziell und sichtbar Stellung zu beziehen.

Weder „Arsch“ noch „Idiot“

Ob positive oder negative Kritik, diese als Arbeitnehmer auf Bewertungsplattformen zu äußern, unterliegt  laut Kathrin Kruse verfassungsrechtlich der Meinungsfreiheit und ist im Artikel 5 des Grundgesetztes verankert. Im Interview mit „t3n – digital pioneers“ macht die Fachanwältin für Arbeitsrecht deutlich: Es gibt Grenzen. Unwahre oder beleidigende Behauptungen hätten strafrechtlichen Charakter. Außerdem habe der Arbeitnehmer seine arbeitsvertraglichen Vorgaben zu erfüllen – Stichwort: Verschwiegenheitspflicht.

Ein absolutes No-go und rechtswidrig sei es, den ehemaligen oder aktuellen Vorgesetzen als „Arsch“ oder „Idiot“ zu bezeichnen.

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