Traditionsbäckerei Neff stellt Insolvenzantrag in Eigenverwaltung

Viele kleine und mittelgroße Bäckereien kämpfen ums Überleben – nun trifft es auch die Traditionsbäckerei Neff. Das Karlsruher Familienunternehmen mit 19 Filialen, darunter zwei in Pforzheim, geht in die Eigenverwaltung, Produktion und Verkauf laufen weiter. Rund 200 Arbeitsplätze sind vorerst gesichert.
Symbolbild. ©KI-gestützter Inhalt

02.03.2026

Das 1904 gegründete Unternehmen befindet sich in vierter Generation im Familienbesitz und beschäftigt rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Produziert wird am Standort Karlsruhe – von dort aus werden die Filialen in der Region beliefert und daran soll sich auch nichts ändern, heißt es in einer Pressemitteilung.

Massive Kostensteigerungen als Auslöser

Wie viele handwerkliche Bäckereien kämpft auch Neff seit Beginn des Ukrainekrieges mit drastisch gestiegenen Kosten. Besonders die Energiepreise haben das Unternehmen hart getroffen – sie liegen nach Angaben der Geschäftsführung bis zu 500 Prozent über dem Vorkriegsniveau. Da die Backwaren in Öl- und Gasöfen produziert werden, ist der Energiebedarf hoch und unvermeidbar.

Hinzu kommen deutlich gestiegene Rohstoffpreise, insbesondere für Weizen-, Roggen- und Dinkelmehl. Gleichzeitig konnten die höheren Kosten nur begrenzt an die Kundschaft weitergegeben werden. In Zeiten hoher Inflation sei die Preissensibilität groß – stärkere Preiserhöhungen hätten nach Unternehmensangaben zu weiteren Umsatzverlusten geführt, weil Verbraucher sonst auf günstigere Angebote im Discount ausgewichen wären.

Geschäftsführung bleibt an Bord

Die Geschäftsführung um Andreas Reich, Kati Neff-Reich und Simon Reich bleibt im Amt. Unterstützung erhält sie von den Sanierungsexperten Jens Lieser und Alfred Kraus von LIESER Rechtsanwälte, die als Generalhandlungsbevollmächtigte eingesetzt wurden. Zum vorläufigen Sachwalter bestellte das Gericht Rechtsanwalt Holger Blümle von der Kanzlei Schultze & Braun. Er überwacht das Verfahren im Interesse der Gläubiger.

Für die Belegschaft gibt es zunächst finanzielle Sicherheit: Die Löhne und Gehälter sind für Februar, März und April 2026 über das Insolvenzgeld abgesichert. Danach soll das Unternehmen die Zahlungen wieder selbst übernehmen. Laut Unternehmensangaben ist die Finanzierung für die kommenden Monate gesichert. Die Beschäftigten wurden auf einer Betriebsversammlung über die nächsten Schritte informiert.

Ziel: Sanierung und Fortführung

Das Eigenverwaltungsverfahren soll die Grundlage für einen Neustart schaffen. „Wir stehen als Familienunternehmen zu unserer Verantwortung für unsere Mitarbeiter, für unsere Kundschaft und unser handwerkliches Erbe, für dass wir alle mit großem Einsatz und Überzeugung täglich einstehen“, so Geschäftsführer Andreas Reich.

Auch Sanierungsexperte Jens Lieser blickt nach vorn: „In den kommenden Monaten werden wir einen Sanierungsplan erarbeiten und alles tun, um eine nachhaltige Sanierung und Fortführung zu erreichen“.

Ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung ist ein besonderes Insolvenzverfahren, bei dem das Unternehmen sich unter gerichtlicher Aufsicht selbst saniert. Die Geschäftsführung bleibt im Amt und führt den Betrieb weiter, wird dabei aber von einem Sachwalter kontrolliert. Ziel ist es, das Unternehmen zu stabilisieren, Schulden zu ordnen und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.

pm/tm

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