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Skurrile Entwicklung in der Pandemie: Die einen schlittern in den finanziellen Ruin, während andere nicht wissen, wohin mit dem Geld

Wenngleich die von den 50 Sparkassen im Südwesten betreuten Unternehmen 2020 vergleichsweise gut durch die Corona-Krise gekommen seien, warnt der Präsident des Sparkassenverbands : „Was uns zunehmend mit Sorge erfüllt, ist die Länge des Lockdowns. Mit jedem weiteren Tag kommen mehr Kunden in Schwierigkeiten“, sagt Peter Schneider. Bei vielen seien die finanziellen Reserven nahezu aufgebraucht.
Eine dramatische Entwicklung für viele Unternehmen befürchtet der baden-württembergische Sparkassenpräsident Peter Schneider ab dem Jahr 2021. ©LinoMirgeler

Von Gerd Lache | 12.02.2021

Die Lage einiger Geschäftskunden, die in den vergangenen zwölf Monaten zum Teil fast ein halbes Jahr schließen mussten oder nicht tätig werden konnten, wird von Tag zu Tag dramatischer.
Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg

Für die  Jahre 2021 und 2022 befürchtet Schneider bezüglich der Corona-Auswirkungen auf die Unternehmen heftige Einschnitte: „Da kommt noch was“, sagte Peter Schneider in der Pressekonferenz zum abgelaufenen Geschäftsjahr, das sowohl Firmen wie auch Privathaushalte zum größten Teil bisher noch vergleichsweise gut überstanden hätten.

Seit Beginn der Krise haben  in Baden-Württemberg dem Verbandspräsidenten zufolge rund 60.000 Privat- und Firmenkunden ihre Kreditraten bei den Sparkassen für mindestens drei Monate ausgesetzt. Demnach stundeten die Sparkassen bei einem Kreditvolumen von gut 12 Milliarden Euro ihren Kundinnen und Kunden eine Summe von 1,4 Milliarden Euro. „Viele Kunden nutzten die Möglichkeit, bei den Ratenzahlungen nicht nur drei Monate zu pausieren, sondern bis zu neun Monate“. Bei einem Gesamt-Kreditvolumen von mehr als 143 Milliarden Euro für insgesamt 1,3 Millionen vergebene Kredite sei der Ausfall vergleichsweise gering ausgefallen, ordnet Schneider die Zahlen ein.

2020 hätten die Sparkassen für ihre Kunden mehr als 6.200 Förderkredite aus den Corona-Sonderprogrammen bei der KfW und der L-Bank mit einem Volumen von über 2 Milliarden Euro eingereicht. „Wir müssen allerdings damit rechnen, dass 2021 aufgrund der Corona-Krise mehr Kunden in Zahlungsschwierigkeiten kommen werden“, sagte Schneider. Er unterteilt die bisherige Lage der  Firmenkunden in drei Gruppen.

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VIDEO: Sparkassenpräsident Peter Schneider analysiert in erster digitalen Pressekonferenz die Auswirkungen der Pandemie. ©SparkassenVerband/Bearbeitung_GerdLache

1. Unternehmenskunden, die wegen der Pandemie schließen mussten, sowie Solo-Selbstständige: Viele dieser Kunden kämpfen seit Monaten um ihre Existenz. Da helfen dann auch neue Kredite nicht mehr weiter, sondern nur noch rasch ausgezahlte staatliche Unterstützung.

2. Unternehmen, die zwar mit Liefer- und Absatzschwierigkeiten zu tun haben, aber nicht schließen mussten: Diese Gruppe trotzt so gut es geht der Krise.

3. Unternehmen, die ihr Geschäft in der Pandemie sogar ausbauen konnten: Das ist allerdings die kleinste Gruppe.

Bezüglich der Kundeneinlagen sprach Schneider von einer „ambivalenten Situation“. Einerseits kämpften Corona-Betroffene finanziell um ihre Existenz. Anderseits würden Privatpersonen so viel Geld auf die hohe Kante legen, wie noch nie: 8 Milliarden Euro oder 7,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Gründe dafür seien unter anderem die fehlende Möglichkeit, zu konsumieren sowie die Sorge vor einer unsicheren Zukunft. Bei den Unternehmen beträgt das Plus mit mehr als drei Milliarden Euro sogar fast 15 Prozent. Schneiders Erklärung: „Unternehmen sichern sich Liquidität und verschieben Investitionen auf die Zeit nach der Pandemie.“  Die Gesamtsumme der Kundeneinlagen bei den 50 Sparkassen in Baden-Württemberg beläuft sich demnach auf 159 Milliarden Euro. „Das ist die höchste Zahl, die wir je gesehen haben.“

Fehlende Gelegenheit zum Konsumieren und Sorge vor ungewisser Zukunft lässt den „Sparstrumpf“ wachsen.  ©Coco

Rekordwerte bei den Kreditbeständen

Mit Stand 31. Dezember 2020 hatten die Sparkassen 143,1 Milliarden Euro verliehen, eine Steigerung  von 6,8 Milliarden Euro oder 5 Prozent. Schneider: „Die ausgewogene Aufteilung der Kreditsumme auf Privat- und Unternehmenskunden zeigt die gute Risikostreuung in der Kreditvergabe der Sparkassen. Diese kommt uns jetzt in der Corona-Krise zugute.“

Ungeachtet der Pandemie entwickelte sich den Verbandszahlen zufolge in 2020 der Markt für Immobilienkredite  weiter mit hohen Wachstumsraten. Der Bestand wuchs um 7,1 Prozent auf 75,4 Milliarden Euro. Rund 80 Prozent der Immobilienkredite von 75,4 Milliarden Euro entfallen auf Kredite an Privatkunden. Bauträger und anderen Unternehmen haben bei den Sparkassen rund 15,5 Milliarden Euro ausgeliehen. Schneider: „Die Zahlen zeigen, dass es 2020 keinen Einbruch bei der Nachfrage nach Immobilienkrediten gegeben hat.“

Zusagen für neue Kredite

Deutlicher als bei den Bestandszahlen zeigt sich laut Schneider das große Engagement der Sparkassen in der Corona-Krise in den hohen Zusagen für neue Kredite. Diese haben demzufolge 2020 mit insgesamt 31,8 Milliarden Euro „einen neuen Höchststand erreicht“. Rund die Hälfte dieser Summe, 16,6 Milliarden Euro, sagten die Sparkassen Unternehmen und Selbstständigen zu, ein Plus von 16 Prozent. Gleichzeitig wurden 14,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr an Unternehmen und Selbstständige ausgezahlt. „Die Zahlen zeigen, dass sich die Unternehmen in der Pandemie mit ausreichend Liquidität und Kreditlinien eingedeckt haben“, so der Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg.

Pandemie beflügelt Digitalisierung

Unterdessen hat die Corona-Krise auch bei den Geldinstituten die Digitalisierung vorangetrieben. So sei die Zahl der Privatkunden, die über das Internet mittels PC, Tablet oder Smartphone auf ihr Konto zugreifen, deutlich gewachsen. Waren es zum Jahresanfang noch 57 Prozent der Privatkunden, so sind es inzwischen rund 65 Prozent, also zwei Drittel aller Privatkunden. Bei den Firmenkunden liegt der Anteil bei rund 80 Prozent. „Dies spüren wir deutlich an der Kundenfrequenz in den Filialen“, erläuterte Verbandsgeschäftsführer Joachim Herrmann. Ende 2020 betrieben die Sparkassen in Baden-Württemberg 1.944 Geschäftsstellen – rund 25 weniger ein Jahr zuvor.

Seit 2021 sind 50 Sparkassen unter dem Dach des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg. Die Sparkasse Pforzheim Calw ist, bezogen auf die Bilanzsumme, das größte der Institute. ©Sparkassenverband/Bearbeitung_GerdLache
©Sparkassenverband/Bearbeitung_GerdLache
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