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Regional shoppen liegt im Trend und lokale Online-Marktplätze sind bevölkert - aber wie lange noch?

Gibt es bei den Verbrauchern einen Trend in Richtung regionales oder lokales Einkaufen? Ja, meint Ralf Deckers vom Institut für Handelsforschung (IFH). Aktuelle Daten des Corona Consumer Checks bestätigen das. Auch lokale Online-Marktplätze sind zurzeit bevölkert.
Die aktuellen Daten des IFH Corona Consumer Checks zeigen die Konzentration der Verbraucher auf das lokale Umfeld. ©Composing_GerdLache

Von Gerd Lache | 20. Februar 2021

Die Krise hat die Fragilität und Anfälligkeit der Lebens- und Einkaufswelt verdeutlicht.
Dr. Ralf Deckers, IFH-Bereichsleiter Customer Insights

Mit dem IFH in Köln kooperiert unter anderem auch der Bundesverband Schmuck + Uhren, Pforzheim, der in seiner jüngsten Mitteilung die dramatische Situation der Hersteller seiner Branche durch die gekappte Lieferkette zum Handel, auch jenem im Ausland, geschildert hat (siehe dazu Link am Ende dieses Beitrags).

„Oft hat sich gezeigt, dass Lieferketten nicht Covid-tauglich sind und neu ausgestaltet werden müssen“, macht IFH-Autor Deckers deutlich. Generell hätten sich Importe verkompliziert und verteuert. Auf Kundenseite sei ein Rückzug in das engere lokale Umfeld des eigenen Wohn- und Lebens-Viertels zu beobachten. „Die Innenstädte werden gemieden. Der Lockdown macht die Fußgängerzone zum Ödland und wenn geöffnet wird, herrscht die Sorge vor Kundenandrang und damit die Furcht vor Ansteckung.“

©IFH_Köln/Composing_GerdLache

Die aktuellen Daten des IFH Corona Consumer Checks legen laut Deckers nahe, dass sich Konsumenten auf das eigene regionale Umfeld, „sprich regionale Produkte und den lokalen Handel konzentrieren“. Und dies aus mehreren Gründen, die Deckers aufführt. 

  • Zum einen erleben lokale Produkte einen Boom. Das Angebot „Rewe Regional“ setzt beispielsweise auf bestehenden Kundenwünschen, insbesondere nach Frische und kurzen Transportwegen, auf. Aber nun wird, angetrieben durch die Krise, der Einkaufspfad in Richtung regionale Produkte weiter beschritten.
  • Kurze Transportwege vom lokalen Erzeuger stehen für Nachhaltigkeit und damit für einen zentralen Kundenwert. Nachhaltiges Handeln steht aus Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher für eine zentrale Anforderung an die Zukunft – in allen Lebensbereichen und damit auch im Handel.
  • Auch der lokale Handel steht nun stärker im Kundenfokus. Dies äußert sich vor allem in Solidaritätsaktionen mit Geschäften vor Ort. „Wir kaufen nicht bei Amazon, wir unterstützen unseren Buchhandel um die Ecke“, so oder ähnlich wird die neue Gesinnung kundgetan.

Bevölkerte Online-Markplätze

Die neue Gesinnung äußere sich Deckers zufolge zudem in der stärkeren Nutzung von lokalen Onlinemarktplätzen, die das lokale Handelsangebot auf einer Onlineplattform bündeln. „Wenn ein Besuch im Laden um die Ecke nicht möglich ist oder gemieden wird, bietet sich der Einkauf über die lokale Onlineplattform als Alternative an. Im Verlauf der Krise wurde diese Alternative häufiger genutzt.“ Insbesondere jüngere Kundinnen und Kunden zwischen 18 und 29 Jahren haben demnach den lokalen Onlinemarktplatz bevölkert.

Zusammengefasst neige sich das Konsumpendel in Richtung Lokalität. Aber, fragt der IFH-Experte: „Ist der Trend auch nachhaltig?“ Wenn die Lieferketten Covid-tauglich und damit neu konfiguriert seien und die Fußgängerzonen wieder dem unbeschränkten Shopping offenstehen würden, „setzen dann womöglich die alten Konsummuster ein? Wird dann nicht das regionale Angebot in die lokalpatriotische Nische verwiesen?“

Die aktuellen Daten des Corona Consumer Check unterstützen diese Sichtweise nicht. Der Gang zum Handel um die Ecke habe laut Deckers auch in Zukunft einen hohen Stellenwert und werde, wenn möglich, „mit Freuden aufgenommen“.

Der lokale Online-Marktplatz wird kämpfen müssen?

Indes nennt der IFH-Experte eine Einschränkung: „Die Perspektiven von lokalen Onlinemarktplätzen sind mit einem Fragezeichen zu versehen.“ Richtig sei, dass sich lokale Onlinemarktplätze eines hohen Kundeninteresses erfreuen. Allerdings werde es darauf ankommen, das bestehende hohe Interesse tatsächlich auch in Onlinekäufe umzuwandeln. In der Krise hätten die Nutzungsraten und die Kaufplanung zwar gesteigert werden können. Aber, so Deckers, „auf Krisensolidarität und Lokalpatriotismus allein aber kann sich ein Geschäft nicht stützen. Die Konkurrenz durch Amazon, Zalando und Co. erscheint zudem übermächtig. Der lokale Onlinemarktplatz wird kämpfen müssen, damit die lokale Karte sticht.“

Über die Daten

Anlässlich der aktuellen Coronakrise analysiert das IFH Köln im Rahmen des „Corona Consumer Check“ bevölkerungsrepräsentativ das Stimmungsbild zum Konsumverhalten in Deutschland. Hierfür werden 500 Konsumentinnen und Konsumenten in einer repräsentativen Onlinebefragung zu ihrem Einkaufsverhalten befragt. 2020 führte das IFH sieben Befragungen zwischen März und Dezember durch. In diesem Beitrag wurde Bezug genommen auf die Befragung in der letzten Januarwoche 2021.

IFH KÖLN

Das Institut für Handelsforschung ist nach eigenen Angaben ein renommiertes Marktforschungs- und Beratungsunternehmen im Handelsumfeld. Als ausgewiesener Brancheninsider unterstütze das IFH bei der erfolgreichen Gestaltung der Zukunft des Handels, bei der Etablierung zeitgemäßer Geschäftsmodelle und es biete Sicherheit bei unternehmerischen Entscheidungen. Auf Basis fundierter Marktforschung werden demnach kontinuierlich Markttrends, Kundenverhalten und Wettbewerbsentwicklung analysiert und als Wissenstransfer mit der Branche geteilt. Darauf aufbauend wird im Rahmen von Managementberatung bei Entwicklung, Umsetzung und Kontrolle von Vertriebs- und Handelskonzepten unterstützt. Dazugehörige Projektumsetzungen erfolgen im Schulterschluss mit angesehenen Agenturen und Dienstleistern.

Mit der Tochtermarke ECC KÖLN ist das IFH seit 1999 im E-Commerce aktiv und widmet sich dem Community- und Knowhow-Transfer für die Digitalisierung im Handel.

Zum Thema…

… siehe auch Beitrag über die Lage der Schmuck- und Uhrenindustrie in der Region um Pforzheim, dem deutschen Zentrum der Branche:

https://wirtschaftskraft.de/artikel/in-der-goldstadt-liegen-die-nerven-blank-verheerende-corona-folgen-im-zentrum-der-deutschen-schmuck-industrie

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