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WirtschaftsKRAFTplus ist in der Tat ein „Plus“ – ein Mehr an Themen, an Hintergründen und an Aktualität. Mit dieser Plattform wird die wirtschaftliche Kompetenz des Standortes Pforzheim medial begleitet und weit in die Region getragen.

Oliver Reitz

Direktor des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP)

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New Work: In Konstanz arbeiten digitale Nomaden in der Kirche

Beim arbeiten einen Blick durchs Kirchfenster werfen -die mehr als 1000 Jahre alte St. Johann Kirche in Konstanz dient seit Januar 2022 als moderner Coworking-Space. Fun Fact: Die Frau des Investors hat vom Verkauf von St. Johann (zum Verkauf stand nur das frühere Kirchenschiff, nicht das ganze Gebäude) über eBay-Kleinanzeigen erfahren.
In Konstanz arbeiten digitale Nomaden in einer ehemaligen Stiftskirche. Foto: Dauphin HumanDesign® Group GmbH & Co. KG

„St. Johann ist einer der Gründe für mich, in Konstanz zu bleiben, obwohl mein Arbeitgeber, die G&L Geißendörfer & Leschinsky GmbH, in Köln sitzt. Der Ort in der ehemaligen Kirche ist atemberaubend mit grandioser Arbeitsatmosphäre. Besonders schätze ich aber auch den offenen Umgang mit den vielen wunderbaren Menschen hier“, sagt der Franzose Cedric Thian-Meng, der ursprünglich von La Réunion stammt.

"Herausfordernd war zum Teil die Lieferung der Materialien in die mitten im engsten Altstadtteil von Konstanz gelegene frühere Stiftskirche. Große Sattelschlepper bis nach St. Johann und vor allem dann auch wieder hinaus zu manövrieren war nicht gerade einfach. Ebenfalls herausfordernd war die gleichzeitige Gestaltung als Arbeitsort und als Kulturort, um eine Doppelnutzung der Flächen zu ermöglichen. Und das obwohl unsere CoworkerInnen 24/7 Zugang zu den Arbeitsplätzen haben."
Moritz Meidert

Die mehr als 1000 Jahre alte Kirche St. Johann in Konstanz hat viele Geschichten zu erzählen. Im Mittelalter wurde das Gebäude als Kirche genutzt, nach der Entweihung im 19. Jahrhundert wurde St. Johann vom Bierbraumeister Nikolaus Barxel als Brauerei und Lagerraum verwendet. Ab 1889 wurde St. Johann dann als katholisches Gemeindehaus mit angegliederter Gaststätte genutzt und in den 1960ern zum Dom Hotel umgebaut. Seit Januar 2022 sitzen in den geschichtsträchtigen Mauern auf rund 700 Quadratmetern CoworkerInnen, wie zum Beispiel Cedric Thian-Meng. Verantwortlich für den Betrieb des Co-Workingspace ist die Online-Marketing Agentur Media Lab, und die Beratungs- und Projektagentur Gründerschiff.

„Nachdem wir uns gemeinsam sehr schnell in den wunderschönen Raum verliebt hatten, wechselte St. Johann im Sommer 2021 den Eigentümer, ab Mitte Oktober startete der Ausbau, im Januar 2022 ging es dann los. Uns war besonders wichtig, die Wirkung des Kirchenraums zu erhalten. Gleichzeitig mussten wir aber die Akustik mit ihrem sehr langen Nachhall unbedingt in den Griff kriegen. Mit vielen akustisch hoch wirksamen Vorhängen, Teppichen und Schallabsorbern an Wänden, Arbeits- und Meetingplätzen sowie schallbrechenden Einbauten an den richtigen Stellen ist uns das sehr gut gelungen. Heute können im Hauptraum mehr als 30 Menschen gleichzeitig arbeiten ohne sich dabei zu stören“, erzählt Moritz Meidert von Gründerschiff.

„Damit gehen wir mit Media Lab den nächsten Schritt: Mit dem Konzept ‚New Work & Innovation‘ werden wir der neuen Arbeitswelt mit Remote Work und dezentralem Arbeiten gerecht. So schaffen wir einen besonderen Arbeitsraum für kreative Freiberufler und Firmen in Räumen mit einer mehr als 1000-jährigen Geschichte. St. Johann wird zu einer Anlaufstelle für Freelancer und digitale Nomaden aus der Bodenseeregion und darüber hinaus“, sagte Media Lab Geschäftsführer Dominik Gerspacher.

Coworking in geschichtsträchtigen Mauern. Foto: Jörg Bluhm – Meinlschmidt Unternehmensgruppe

„Gerade jetzt in Zeiten von Corona gestaltet sich das Arbeitsumfeld um. Wer früher längere Strecken zum Arbeitsplatz gependelt ist, kann jetzt mitten in Konstanz einen professionellen Arbeitsplatz nutzen – und das in einer inspirierenden Umgebung: Neue Ideen in alten Steinen“, erläutert Investor Hauke Hansen, der als Unternehmer in Konstanz bereits fünf Unternehmen mitgegründet hat. „Gleichzeitig wird St. Johann für uns ein Leuchtturmprojekt in unserer Arbeit mit Kommunen und Regionen in ganz Deutschland“, fügt Moritz Meidert, Gründer und Geschäftsführer von Gründerschiff hinzu. „Wir arbeiten derzeit an mehr als 10 Projekten, in denen wir Gründungs- und Innovationszentren insbesondere im ländlichen Raum mit konzipieren und aufbauen. Da bewegt sich etwas.“

Foto: Jörg Bluhm – Meinlschmidt Unternehmensgruppe

Bettina und Johannes Wolf, waren die vorherigen Besitzer: „Wir haben St. Johann in den vergangenen 11 Jahren erhalten und mit Leben gefüllt. Es war uns eine große Ehre, gemessen an seiner über 1.000-jährigen Geschichte, St. Johann einen Augenblick lang begleiten zu dürfen. Viele Ausstellungen, Konzerte und der SWR-„Talk am See mit Gaby Hauptmann“ werden in Erinnerung bleiben. Uns hat das zukunftsweisende Konzept der neuen Eigentümer überzeugt. Für die Umsetzung wünschen wir allen daran Beteiligten viel Erfolg und breiten Zuspruch.“

Paletten dienen als Pflanzenhalter und bringen Grün in den Coworking-Space. Foto: Dauphin HumanDesign® Group GmbH & Co. KG

„Das Coworking- und Meetingangebot wie auch die Kulturveranstaltungen, die bei uns Samstag und Sonntag stattfinden, werden bisher sehr gut angenommen. Natürlich sind wir noch lange nicht ausgebucht, zwischen 18 und 36 Monate haben wir uns für eine 80prozentige Auslastung Zeit gegeben. Die Nutzungszahlen liegen bisher aber deutlich über unserem Plan“, sagt Moritz Meidert.

Die Preise für die Arbeitsplätze liegen zwischen 275 bis 380 € netto im Monat, weitere Nutzungsvarianten sind ebenfalls erhältlich, Meetingräume sind auch extern buchbar. Für Teams, die einige Zeit am Bodensee arbeiten wollen, beispielsweise als Workation oder Teambuilding Aufenthalt, gibt es in St. Johann übrigens Sonderangebote.

tm

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