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WirtschaftsKRAFTplus ist in der Tat ein „Plus“ – ein Mehr an Themen, an Hintergründen und an Aktualität. Mit dieser Plattform wird die wirtschaftliche Kompetenz des Standortes Pforzheim medial begleitet und weit in die Region getragen.

Oliver Reitz

Direktor des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP)

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Mehr Gründerinnen für eine erfolgreiche und kreative Wirtschaft - dafür setzen sich nicht nur die Grünen sondern auch Expert*innen aus der Region Nordschwarzwald ein

Der Anteil der Startup-Gründerinnen bundesweit liegt bei nur 15,7 %, das ermittelte der Female Founders Monitor des Bundesverband Deutsche Startups. Dieser Trend wirft Fragen auf, auch in der Region Nordschwarzwald.
Manuela Opel, Wirtschaftsförderin Calw, Foto: Landratsamt Calw

von Tanja Meckler

Die Startup-Szene ist nicht nur in Deutschland männerdominiert. Es muss uns gelingen, auch im Tech- und Digitalbereich viel mehr Frauen für die Gründung von Unternehmen zu gewinnen. Bei der Entwicklung neuer digitaler Technologien brauchen wir eine möglichst große Diversität – und dazu gehört auch ein weiblicher Blick auf Probleme und ihre Lösungen. Jeder Investor sollte aber auch ein Eigeninteresse haben, in Startups mit Gründerinnen im Team zu investieren, denn Studien zeigen, dass sie wirtschaftlich erfolgreicher sind als reine Männer-Gründungen.
Susanne Dehmel, Mitglied der Geschäftsleitung beim Digitalverband Bitkom

Der Weg zum eigenen Unternehmen ist wohl für keinen ein lockerer, sonniger Spaziergang inklusive Picknickpause, aber insbesondere Frauen haben mit hohen Hürden zu kämpfen. Und an diesen scheitern leider einige, trotz guter Ideen. Für eine innovative, kreative, krisenresiliente Wirtschaft ist das allerdings schlecht.

Jochen Protzer, Geschäftsfüher Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald, Foto: WFG

Die Situation, dass nur wenige Startups von Frauen gegründet werden, ist auch in der Region Nordschwarzwald leider nicht besser. Hier gibt es noch sehr viel Potential nach oben und eine zukunftsorientierte Wirtschaft braucht deutlich mehr Gründerinnen. Die Gründe für die derzeitige Situation sind vielschichtig und reichen von den allgemeinen Rahmenbedingungen bis hin zu den spezifischen Bedürfnissen von gründungsinteressierten Frauen. Meines Erachtens würde eine individuelle Ansprache und spezielle Beratung unterstützen. Am Freitag, den 19.3.2021 veranstaltet das Startup Ökosystem Nordschwarzwald einen „digitalen startup evening“. Hier berichten u.a. Theresa Föhrenbacher von Hesa Design und Silke Gehrig (Sehenswert Optik) über ihre erfolgreichen Gründungen. Der Startup Evening ist für Gründungsinteressierte eine tolle Möglichkeit mit vielen Infos und Vernetzungsmöglichkeiten“, sagt Jochen Protzer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald (WFG).

Zugang zu Risikokapital, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, stärkere Netzwerkstrukturen, das sind alles Themen, die Gründerinnen beschäftigen und oftmals auch die entscheidenden Hürden bei der Gründung eines Unternehmens darstellen. Hier müssen die Weichen neu gestellt werden. Davon ist auch die Fraktionschefin der Grünen Katrin Göring-Eckhardt überzeugt. Vor ein paar Wochen tauschte sie sich virtuell mit erfolgreichen Gründerinnen wie Tijen Onara, Milena Glimbovski und vielen anderen darüber aus, wie es gelingen kann Bedingungen zu verbessern und zu schaffen, so dass mehr Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

„Die Frage, wer Ideen zur Wirklichkeit werden lässt und als Chef*in Entscheidungen trifft, ist nicht egal. Bei der Förderung weiblicher Unternehmen geht es auch darum, neue wirtschaftliche Ideen und Geschäftsmodelle nach vorne zu bringen. Dass macht unsere Wirtschaft vielfältiger, kreativer, krisenresilienter und damit insgesamt erfolgreicher“, schreibt Katrin Göring Eckhardt in einem facebook Post und weiter: „Jetzt haben wir in einem Autor*innenpapier aufgeschrieben, welche Instrumente wir dafür für nötig halten. So schlagen wir zum Beispiel die Einrichtung eines Fonds vor, der ausschließlich Startups finanziert, deren Gründungsteams zu mindestens der Hälfte aus Frauen besteht. Außerdem wollen wir den Frauenanteil in den Auswahlteams erhöhen.“

Der Female Founders Monitor (FFM) betont , dass die Finanzierung für Gründerinnen oft mit höheren Schwierigkeiten verbunden sei.

So besteht für Frauen-Teams bei Investments durch Business Angels und Venture-Capital-Fonds eine enorme Kluft zwischen dem Wunsch nach Finanzierung und ihrer tatsächlichen Realisierung.

Sabine Dehmel, Mitglied der Geschäftsleitung, Vertrauen & Sicherheit Bitkom e.V., Foto: © bitkom

Auch Sabine Dehmel, Mitglied der Geschäftsleitung beim Digitalverband Bitkom erwägt Modelle um Gründerinnen bei Finanzierungsfragen gezielt unter die Arme zu greifen, zudem sieht sie ganz speziellen Handlungsbedarf bei diversen Teams in der Digitalbranche.

Die Startup-Szene ist nicht nur in Deutschland männerdominiert. Es muss uns gelingen, auch im Tech- und Digitalbereich viel mehr Frauen für die Gründung von Unternehmen zu gewinnen. Bei der Entwicklung neuer digitaler Technologien brauchen wir eine möglichst große Diversität – und dazu gehört auch ein weiblicher Blick auf Probleme und ihre Lösungen. Jeder Investor sollte aber auch ein Eigeninteresse haben, in Startups mit Gründerinnen im Team zu investieren, denn Studien zeigen, dass sie wirtschaftlich erfolgreicher sind als reine Männer-Gründungen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollten wir auch öffentliche Förderinstrumente einsetzen. Das fängt damit an, dass öffentliche Investoren dafür sorgen, dass in ihrem Top-Management Frauen entsprechend vertreten sind. Auch Fonds zur Startup-Finanzierung, die sich speziell an Gründerinnen richten, würden helfen. Entscheidend wird darüber hinaus sein, die Themen Unternehmensgründung und MINT-Fächer an den Schulen stärker in den Fokus zu rücken – und zwar insbesondere mit Blick auf Mädchen. Mal ganz praktisch: Welcher Berufsberater in der Schule informiert denn über die Möglichkeit, ein eigenes Startup zu gründen? Hier sollten wir ansetzen. Und wenn es uns dann noch gelingt, erfolgreiche Gründerinnen als echte Vorbilder in die Schule zu holen, damit sie von ihren Erfahrungen berichten und begeistern können, dann wäre viel gewonnen.“

So eine echte, erfolgreiche Gründerin ist zum Beispiel Verena Pausder. Sie zählt zu den bekanntesten Gesichtern der Gründerszene und digitale Bildung ist ihre große Leidenschaft. Während der Corona-Zeit stellte sie initiierte sie den größten Bildungs-Hackathon des Landes #wirfürschule . Pausder ist Gründerin von „Fox&Sheep“, und der HABA Digital, dort lernen Kinder spielerisch die digitale Welt kennen und bekommen so ein neues Verständnis für Technolgie.

Und vielleicht schaut sich das ja auch das ein oder andere Mädchen aus der Region Nordschwarzwald an. Denn auch regional wird verstärkt nach Förderungsmöglichkeiten in weibliche Gründungsambitionen geschaut . Die Calwer Wirtschaftsförderin Manuela Opel sieht hier ein großes Potenzial.

Frauen sind sowohl in der deutschen Startup-Szene als auch bei uns in der Region Nordschwarzwald leider noch immer deutlich unterrepräsentiert. Weniger als ein Drittel aller Gründer sind weiblich. Eine signifikante Steigerung ist dabei in den letzten 10 Jahren nicht erkennbar. Die Gründe hierfür sind vielschichtig, liegen aber nach meiner Erfahrung weder am fehlenden Knowhow, noch an fehlenden Geschäftsideen der Frauen – im Gegenteil: Frauen entwickeln durch ihre Kreativität interessante und innovative Businessmodelle. Im Austausch mit Frauen und potenziellen Gründerinnen zeigt sich allerdings, dass Frauen deutlich risikobewusster sind und ihnen oft der Mut zum Schritt in die Selbstständigkeit fehlt. Hierbei spielt das persönliche Umfeld von Familie und Freunden, aber auch das gesellschaftliche Mindset eine große Rolle. Wenn man bedenkt, dass Frauen nach aktuellen Statistiken selbst im Angestelltenverhältnis noch immer keine Gleichstellung erfahren – sei es beim Gehalt oder auch bei den Aufstiegschancen – so verwundert es wenig, dass Frauen auch bei der Existenzgründung weniger Zuspruch bekommen. Beispielsweise zeigt sich dies auch daran, dass Investoren deutlich weniger in weiblich geführte Startups investieren. Es geht also nicht nur darum, Frauen für eine Selbstständigkeit zu ermutigen, sondern auch um ein gewisses Umdenken in der Wirtschaft. Startups, die von Frauen oder von gemischten Teams gegründet werden, sollten daher verstärkt gefördert werden. In der Region Nordschwarzwald werden hierzu aktuell verschiedene Formate angeboten. Beispielsweise etabliert der Kreis Calw unter dem Motto „Founding Forest“ (www.startup-cw.de) einen gründungsfreundlichen Landkreis, in dem man nach Herzenslust gründen kann. Dabei werden Veranstaltungen speziell für Gründerinnen angeboten. Ebenso können sich Gründerinnen bei der Kontaktstelle Frau und Beruf Nordschwarzwald gezielt zum Thema Existenzgründung beraten lassen und erhalten wertvolle Hilfestellungen. Auch das Ökosystem Nordschwarzwald unterstützt Frauen bei ihren Gründungsvorhaben. Derartige Angebote sind sehr wichtig und müssen künftig weiter ausgebaut werden. Für die Zukunft wünsche ich mir eine insgesamt steigende Startup-Dynamik in unserer Region mit vielen spannenden Konzepten von Gründerinnen.“

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