Zitat Autor
WirtschaftsKRAFTplus ist in der Tat ein „Plus“ – ein Mehr an Themen, an Hintergründen und an Aktualität. Mit dieser Plattform wird die wirtschaftliche Kompetenz des Standortes Pforzheim medial begleitet und weit in die Region getragen.

Oliver Reitz

Direktor des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP)

Newsletter Anmeldung

+ monatliche Erscheinung
+ aktuelle Themen und wichtige Termine
+ neue Unternehmensportraits und Unternehmensprofile
Datenverarbeitungshinweis*

"Karriere Insights": Charifan Osso und Maxime Krämer sind Mutmacherinnen

Sie überwinden Stereotypen. Die eine ist selbständige Schreinermeisterin, selbstverständlich schleppt sie auch schwere Sachen, die Handgriffe hat sie schließlich gelernt und die andere arbeitet als Ingenieurin daran, Wasserstoffantriebe für Flugzeuge zu entwickeln. Bei einem Digital Business Lunch der Spitzenfrauen BW , Mitte Oktober 2022, gaben die beiden Mutmacherinnen Einblicke in ihre berufliche Laufbahn.
Charifan Osso hilft mit die Luftfahrt zu revoltutionieren. Foto: Maks Richter

von Tanja Meckler

"Im Engineering kommt es nicht aufs Geschlecht an, sondern viel mehr auf die persönlichen Kompetenzen. Genau diese, gilt es zu Fördern!"
Charifan Osso

Mit der neuen Reihe „Insights“ wollen wir im Rahmen unserer bewährten Digital Business Lunches der Spitzenfrauen BW mit Frauen sprechen, die eine interessante Berufsbiographie haben, sich in außergewöhnlichen Arbeitsumfeldern bewegen, die zu gesellschaftlich relevanten Themen etwas zu sagen haben und die wir  – ganz im Sinne unseres Projektes – als positive Rollenvorbilder zeigen wollen. Mit Maxime Krämer und Charifan Osso ist dies hervorragend gelungen: zwei junge Frauen, die mit großer Leidenschaft über ihren Weg berichteten und selbstbewusst deutlich machten, dass Frauenkarrieren in Männerdomänen gelingen und zur Selbstverständlichkeit werden sollten.

Prof. Barbara Burkhardt-Reich
Prof. Barbara Burkhardt-Reich Foto: Natascha Schimanko.

Charifan Osso hat einen Bachelor- und einen Masterabschluss in Aerospace Engineering, eine Segelflugzeugpilotenlizenz und arbeitet bei der Stuttgarter Firma H2Fly mit daran, Wasserstoffantriebe für Flugzeuge zu entwickeln. In den 2000ern kam sie mit ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland. In ihrer Familie ist sie die erste mit einer Pilotenlizenz und mit einem Uniabschluss. Dass sie gerne in der Fliegerwerkstatt steht und schraubt, erwarten viele nicht von ihr, meint Osso. Generell sei es oft so, dass man jungen Menschen weniger zutraue. Charifan Osso möchte dazu ermutigen, öfter mal innezuhalten und nachzudenken. Im Sinne von, wer steht da eigentlich vor mir, was kann die Person und wie kann ich sie vielleicht unterstützen?

Schon während ihrer Schulzeit interessiert sie sich sehr für die naturwissenschaftlichen Fächer. Ihre damalige Chemielehrerin sieht und fördert sie zum richtigen Zeitpunkt, dafür ist Charifan Osso ihr bis heute dankbar. ‚Auf Worte, Taten folgen lassen‘ – das hat Charifan Osso von ihrem Papa. Der gab ihr auch auf den Weg mit, selbstbewusst aufzutreten und auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen.

An der Universität Stuttgart studiert sie schließlich Luft- und Raumfahrttechnik. Bei 350 Studierenden gab es nur einen Frauenanteil von zwölf Prozent.

Am Anfang hatte Charifan Osso tatsächlich das Gefühl unterlegen zu sein, doch dann merkte sie, dass auch ihre männlichen Kommilitonen mit dem schwierigen Ingenieursstudium zu kämpfen hatte. Stimmen die ihr sagten, dass Studium sei Zeitverschwendung, warum tust du dir das an oder das schaffst du eh nicht, ignorierte sie, genauso wie das belächelt werden. Und schlussendlich hat sie es geschafft. Heute arbeitet sie bei ihrem Arbeitgeber in Stuttgart daran mit, die Luftfahrt zu revolutionieren. Sie selbst merkt, dass sie als Frau anders auf die Dinge schaut, andere Denkansätze verfolgt und die Aufgabenbewältigung oft anders ist, deshalb wünscht sie sich auch mehr Frauen in der Luftfahrt. Denn ein diverses Team bringe einfach mehr Innovation für die Wirtschaft.

Charifan Osso fühlt sich in ihrem Job an der richtigen Stelle. Die Luftfahrt ist einfach ihr Ding. Foto: Maks Richter

Maxime Krämer ist Schreinermeisterin in Heidelberg und hat sich mit 25 Jahren selbstständig gemacht. Nach einem Praktikum in einer Schreinerei hängte sie den Wunsch Architektur zu studieren an den Nagel. Sie beschloss ihr Ding durchzuziehen. Holz ist ihre Leidenschaft. Kreativität, Liebe zum Detail und der Hang zum Perfektionismus prägen ihre Arbeit.

Bei Arbeitseinsätzen auf Baustellen, ist es Maxime Krämer öfter passiert, dass sie gar nicht als Handwerkerin wahr genommen wurde. Und wenn doch, wollten die Kunden die Sachen am liebsten selbst tragen. Ihr lockerer Kommentar dazu: „Nein danke, ich traue es mir zu, ich habe die Handgriffe gelernt und bekomme die Sachen da sicherer hoch als ihr.“ Dass ihr manchmal nicht so viel zugetraut wird nervt und da wünscht sich Maxime Krämer eine Veränderung im gesellschaftlichen Mindset. Da ihr Name nicht ganz eindeutig ist, denken viele im ersten Moment sie hätten es mit einem Mann zu tun und sind dann oft positiv überrascht, wenn sie plötzliche eine Frau vor sich haben. „Das mit dem Namen kenne sie auch“, wirft Charifan Osso an dieser Stelle lachend ein. Selbst wenn man kein*e große*r Freund*in von gendern ist, auf dem Meisterbrief könnte doch schon die richtige Form stehen, oder? Aber Fehlanzeige, bei Maxime Krämer steht Schreinermeister.

Maxime Krämer ist gerne ihre eigene Chefin. Foto: Viktoria Hitchman

Dass Sie 2021 zur „hervorragenden Frauenpersönlichkeit im Handwerk“ gewählt wurde freut sie besonders. Denn Maxime Krämer arbeitet nicht nur gern in Netzwerken mit anderen Kolleginnen und Kollegen zusammen, sondern engagiert sich zudem für das Thema „Frauen im Handwerk“. Sie erinnert sich dabei an ihre Berufsschulklasse, in der es am Ende nur zwei Frauen bis zur Gesellenprüfung geschafft hätten. „Während der Meisterschule war ich dann die einzige Frau“, was sie, nach eigenen Worten, aber nie gestört habe.

Maxime Krämer in ihrer Werkstatt. Foto: Viktoria Hitchman

Sie ist gerne ihre eigene Chefin. Allerdings gab es den Moment in dem das Betriebsrisiko sehr auf ihr lastete. Als sie schwanger wurde, fühlte sich Maxime Krämer als Selbstständige im Regen stehen gelassen. Denn der gesetzliche Mutterschutz gilt nur für Angestellte und ist bei Selbstständigen (aller Branchen) nicht inbegriffen. Maxime Krämer meint, dies sei mit ein Grund, warum sich Frauen auch nicht selbständig machen würden, da sie diese Frage Betrieb oder Kind zerreiße. Mit anderen ‚Betroffenen‘ hat sie deshalb eine Petition gestartet, um den Mutterschutz zu reformieren. Dadurch gelang sie bundesweite Aufmerksamkeit.

„Warum Mutterschutz für alle? Weil Schwangerschaft für Selbstständige nicht mehr als Krankheit gewertet werden und der gesetzliche Mutterschutz ALLEN Gebärenden zustehen sollte“, meint Maxime Krämer und erzählt dann kurz darauf, dass sie erst kürzlich wieder in Berlin zu diesem Thema vorgesprochen hätte.

Die Digital Business Lunches der Spitzenfrauen BW sind kostenlos und finden mittwochs an ausgewählten Tagen, von 12.00 Uhr – 12.45 Uhr statt. In den halbstündigen Live-Inputs von Führungskräften und Highprofessionals geht es um brandaktuelle Themen wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit sowie Agiles Arbeiten, aber auch Dauerbrenner wie Selbstmarketing oder die Gehaltsverhandlung stehen im Fokus.

Jetzt Newsletter abonnieren und von vielen Vorteilen profitieren!