25.09.2025
von Claudia Keller
Rund fünfhundert Teilnehmende sind bei der Regionalkonferenz Mobilitätswende zusammengetroffen.

„Wir stehen vor denselben Problemen für Ballungsräume, die einen neuen Mobilitätsmix brauchen“, so Karlsruhes Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup bei der Eröffnung der Regionalkonferenz Mobilitätswende. Er sprach sich dafür aus, dass sich die Metropolregion Rhein-Neckar und die TechnologieRegion Karlsruhe beim Thema Mobilität stärker abstimmen. Mentrup betonte, dass es dringend eine lenkende Wirkung auf Bundes- und Landesebene brauche, um nicht zu viele Pilotprojekte mit jeweils eigenem Softwaresystem und eigener Technik für autonomes Fahren parallel zu entwickeln. Zudem müsse die ÖPNV-Finanzierung ihren Stellenwert bekommen. In diesem Zusammenhang bezeichnete er die Diskussionen über das Deutschlandticket als peinlich. „Wir stehen vor großen Herausforderungen“, sagte Mentrup und plädierte für den Zusammenhalt der beiden Regionen gegenüber den höheren politischen und auch technischen Ebenen, um gemeinsam eine starke Stimme zu erheben.
In der ersten Podiumsdiskussion der Veranstaltung ging es um erfolgreiche Mobilitätskonzepte trotz begrenzter Budgets, wobei auch die Probleme bei der Umsetzung nicht ausgespart blieben. SWR Moderator Martin Besinger begrüßte hierzu Bürgermeister und Mitglieder von Stadtverwaltungen der Städte Aachen, Landau, Karlsruhe, Neckarbischofsheim, Straßburg und Ludwigshafen. Oberbürgermeister Mentrup machte deutlich, dass es beim ÖPNV nicht nur um Klima und Energie gehe, sondern auch um die soziale Frage. Ohne ÖPNV-Angebot würden Menschen, die es sich nicht leisten können, ab einer bestimmten Distanz von Mobilität abgeschnitten. Straßburgs Bürgermeister Joël Steffen berichtete, dass das Straßenbahnnetz in Straßburg erst 30 Jahre alt ist. Anders als in Deutschland, hänge die Finanzierung in Frankreich von der Wirtschaftsleistung der Unternehmen ab. Oberbürgermeister Dominik Geißler aus Landau berichtete über ein Projekt, bei dem KI zur Ampelsteuerung trainiert werde. Dabei wird auch erfasst, an welchen Stellen die Fahrzeuge besonders häufig abbremsen oder beschleunigen müssen. Ziel ist die optimierte, flexible Steuerung des ganzen Ampelnetzes. Er sprach außerdem den großen bürokratischen Aufwand beispielsweise bei der Umsetzung von Pendler-Radwegen an. Aachens Stadtbaurätin Frauke Burgdorff machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland einen extrem hohen Eigentumsschutz gebe, der allerdings beim Autobahnbau schnell gebrochen werde, wobei die Eigentümer Entschädigungen erhalten. Nicht so beim Bau von Radwegen. „Wir brauchen Fairness in den Systemen“, plädierte sie für die Gleichbehandlung bei der Durchsetzung von Fußwegen, Radwegen und Straßen. Bürgermeister Thomas Seidelmann aus Neckarbischofsheim kritisierte, dass das Land zwar Projektentwicklungen fördert, die Umsetzung dann aber wegen Geldmangel scheitere. Gerade kleinere Gemeinden täten sich schwer Fördertöpfe anzuzapfen. Alexander Thewald, Beigeordneter der Stadt Ludwigshafen erklärte, das es viel Mut brauche, um den Straßenraum neu zu ordnen, Parkplätze wegzunehmen und stattdessen Bäume zu pflanzen.
In ihrem Vortrag berichtete Magdalena Linnig, Geschäftsführerin Stadtverkehr Friedrichshafen, über ein Pilotprojekt zum autonomen Fahren. Rund 1.600 Personen wurden bei 430 Testfahrten befördert und dabei 2.100 Kilometer autonom gefahren. Sie wies allerdings darauf hin, dass technische Regularien fehlen, um einen Testbetrieb in den regulären Betrieb zu bringen. In der anschließenden Podiumsdiskussion sprachen Wissenschaftler und Vertreter von Verkehrsbetrieben über autonome Verkehrssysteme für die Zukunft sowie die Möglichkeiten der Umsetzung.

Am Nachmittag wurden einzelne Themen in vier Fachforen vertieft. Hier standen je nach Interesse der Teilnehmenden Smarte Mobilität, Betriebliches Mobilitätsmanagement, Nachhaltiger Tourismus oder Innovative Mobilitätskonzepte im Mittelpunkt. Das Fachpublikum hatte außerdem Gelegenheit, sich an den Ständen von 33 Ausstellern aus Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz über Angebote, Produkte und Dienstleistungen zu informieren. Im Rahmen der Veranstaltung wurde außerdem der Future Mobility Award der Stadt Karlsruhe vergeben. Der mit 5.000 Euro dotierte Förderpreis ging an das polnische Start-up NEVOMO. Das Unternehmen ermöglicht durch das Aufrüsten der vorhandenen Eisenbahninfrastruktur einen zusätzlichen elektromagnetischen Betrieb. Für diese Magnetbahntechnologie muss keine neue Infrastruktur aufgebaut werden, weil sie bestehende Strecken nutzen kann.

Alle Fotos: Tilo Keller
25.09.2025
von Claudia Keller
Rund fünfhundert Teilnehmende sind bei der Regionalkonferenz Mobilitätswende zusammengetroffen.

„Wir stehen vor denselben Problemen für Ballungsräume, die einen neuen Mobilitätsmix brauchen“, so Karlsruhes Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup bei der Eröffnung der Regionalkonferenz Mobilitätswende. Er sprach sich dafür aus, dass sich die Metropolregion Rhein-Neckar und die TechnologieRegion Karlsruhe beim Thema Mobilität stärker abstimmen. Mentrup betonte, dass es dringend eine lenkende Wirkung auf Bundes- und Landesebene brauche, um nicht zu viele Pilotprojekte mit jeweils eigenem Softwaresystem und eigener Technik für autonomes Fahren parallel zu entwickeln. Zudem müsse die ÖPNV-Finanzierung ihren Stellenwert bekommen. In diesem Zusammenhang bezeichnete er die Diskussionen über das Deutschlandticket als peinlich. „Wir stehen vor großen Herausforderungen“, sagte Mentrup und plädierte für den Zusammenhalt der beiden Regionen gegenüber den höheren politischen und auch technischen Ebenen, um gemeinsam eine starke Stimme zu erheben.
In der ersten Podiumsdiskussion der Veranstaltung ging es um erfolgreiche Mobilitätskonzepte trotz begrenzter Budgets, wobei auch die Probleme bei der Umsetzung nicht ausgespart blieben. SWR Moderator Martin Besinger begrüßte hierzu Bürgermeister und Mitglieder von Stadtverwaltungen der Städte Aachen, Landau, Karlsruhe, Neckarbischofsheim, Straßburg und Ludwigshafen. Oberbürgermeister Mentrup machte deutlich, dass es beim ÖPNV nicht nur um Klima und Energie gehe, sondern auch um die soziale Frage. Ohne ÖPNV-Angebot würden Menschen, die es sich nicht leisten können, ab einer bestimmten Distanz von Mobilität abgeschnitten. Straßburgs Bürgermeister Joël Steffen berichtete, dass das Straßenbahnnetz in Straßburg erst 30 Jahre alt ist. Anders als in Deutschland, hänge die Finanzierung in Frankreich von der Wirtschaftsleistung der Unternehmen ab. Oberbürgermeister Dominik Geißler aus Landau berichtete über ein Projekt, bei dem KI zur Ampelsteuerung trainiert werde. Dabei wird auch erfasst, an welchen Stellen die Fahrzeuge besonders häufig abbremsen oder beschleunigen müssen. Ziel ist die optimierte, flexible Steuerung des ganzen Ampelnetzes. Er sprach außerdem den großen bürokratischen Aufwand beispielsweise bei der Umsetzung von Pendler-Radwegen an. Aachens Stadtbaurätin Frauke Burgdorff machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland einen extrem hohen Eigentumsschutz gebe, der allerdings beim Autobahnbau schnell gebrochen werde, wobei die Eigentümer Entschädigungen erhalten. Nicht so beim Bau von Radwegen. „Wir brauchen Fairness in den Systemen“, plädierte sie für die Gleichbehandlung bei der Durchsetzung von Fußwegen, Radwegen und Straßen. Bürgermeister Thomas Seidelmann aus Neckarbischofsheim kritisierte, dass das Land zwar Projektentwicklungen fördert, die Umsetzung dann aber wegen Geldmangel scheitere. Gerade kleinere Gemeinden täten sich schwer Fördertöpfe anzuzapfen. Alexander Thewald, Beigeordneter der Stadt Ludwigshafen erklärte, das es viel Mut brauche, um den Straßenraum neu zu ordnen, Parkplätze wegzunehmen und stattdessen Bäume zu pflanzen.
In ihrem Vortrag berichtete Magdalena Linnig, Geschäftsführerin Stadtverkehr Friedrichshafen, über ein Pilotprojekt zum autonomen Fahren. Rund 1.600 Personen wurden bei 430 Testfahrten befördert und dabei 2.100 Kilometer autonom gefahren. Sie wies allerdings darauf hin, dass technische Regularien fehlen, um einen Testbetrieb in den regulären Betrieb zu bringen. In der anschließenden Podiumsdiskussion sprachen Wissenschaftler und Vertreter von Verkehrsbetrieben über autonome Verkehrssysteme für die Zukunft sowie die Möglichkeiten der Umsetzung.

Am Nachmittag wurden einzelne Themen in vier Fachforen vertieft. Hier standen je nach Interesse der Teilnehmenden Smarte Mobilität, Betriebliches Mobilitätsmanagement, Nachhaltiger Tourismus oder Innovative Mobilitätskonzepte im Mittelpunkt. Das Fachpublikum hatte außerdem Gelegenheit, sich an den Ständen von 33 Ausstellern aus Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz über Angebote, Produkte und Dienstleistungen zu informieren. Im Rahmen der Veranstaltung wurde außerdem der Future Mobility Award der Stadt Karlsruhe vergeben. Der mit 5.000 Euro dotierte Förderpreis ging an das polnische Start-up NEVOMO. Das Unternehmen ermöglicht durch das Aufrüsten der vorhandenen Eisenbahninfrastruktur einen zusätzlichen elektromagnetischen Betrieb. Für diese Magnetbahntechnologie muss keine neue Infrastruktur aufgebaut werden, weil sie bestehende Strecken nutzen kann.

Alle Fotos: Tilo Keller
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