18.12.2025
Die Wirtschaft im Nordschwarzwald steht unter Druck. Beim „Wirtschaftspolitischen Jahresgespräch“ der IHK Nordschwarzwald diskutierten Politik und Wirtschaft über Bürokratieabbau, Infrastruktur und Fachkräftesicherung. Als Gastredner begrüßte die IHK Nordschwarzwald den Vorsitzenden der FDP-/DVP-Landtagsfraktion, Dr. Hans-Ulrich Rülke MdL, der sich gemeinsam mit Vertreter:innen aus der Wirtschaft den drängenden Fragen der Region stellte.
Claudia Gläser eröffnete den Abend im IHK-Haus Pforzheim mit einem klaren Appell: „Wir erleben Unsicherheit, strukturelle Veränderung und neue Herausforderungen – umso wichtiger ist der Austausch zwischen Wirtschaft und Politik.“ Sie machte deutlich, wie ernst die Lage für die Unternehmen im Nordschwarzwald ist: Auftragsrückgänge und Insolvenzen belasten viele Betriebe. Gleichzeitig suchen andere Unternehmen händeringend Personal, während zu viele junge Menschen ohne Ausbildung bleiben. Hinzu kommen gestiegene Arbeitskosten, fehlender Wohnraum und schleppende Verwaltungsdigitalisierung.
Gläser betonte die Rolle der IHK: „Als größter Anbieter beruflicher Bildung in der Region unterstützen wir Betriebe und begleiten Jugendliche auf ihrem Weg in die Ausbildung. Wir schaffen Orientierung, vernetzen Schulen und Unternehmen und bieten praxisnahe Weiterbildung für Transformation und Digitalisierung.“ Ihr Fazit: „Die Herausforderungen sind groß. Aber sie sind lösbar, wenn wir gemeinsam handeln.“
In seinem Impulsvortrag widmete sich Dr. Hans-Ulrich Rülke vor allem den Themen Bürokratieabbau, Transformation, Infrastruktur und Bildungspolitik. „Ohne Wirtschaft ist unser Wohlstand nicht zu erhalten“, sagte Rülke und forderte Investitionen in Infrastruktur sowie eine konsequente Verwaltungsreform.
Mit Blick auf die Landespolitik sagte Rülke: „Wir werden das ganz große Rad nicht drehen können […], aber was die Landespolitik tun kann: eine Verbesserung der Infrastrukturen – schnelles Internet, Verkehrsinfrastruktur, Energieversorgung und Transformation.“
Zu seinen zentralen Forderungen gehörten:
Beim Thema Bildung forderte Rülke einen Mentalitätswechsel: „Wir brauchen wieder den Leistungsgedanken in dieser Gesellschaft und Bildung. Junge Menschen wollen Wettbewerb, sie wollen sich messen.“ Er sprach sich für die Stärkung der Realschule und die Rückkehr zur Werkrealschule aus und betonte: „Wir sind eine Leistungsgesellschaft, auch für die Unternehmen.“
Die Hauptgeschäftsführerin der IHK Nordschwarzwald, Tanja Traub, zeigte mit den aktuellen Ergebnissen der regionalen Konjunkturbefragung die angespannte Lage der Wirtschaft: „Das Bruttoinlandsprodukt ist im Jahr 2023 deutschlandweit um 0,9 % zurückgegangen. Im Jahr 2024 ist es nochmals um 0,5 % geschrumpft. Diese Zahlen sind eindeutig. Die Lage ist ernst.“
Die Geschäftslage im Nordschwarzwald bleibt herausfordernd: 24 % der Unternehmen berichten von einer guten Geschäftslage, 24 % von einer schlechten, 52 % von einer befriedigenden. Auch der Auftragseingang mit einem Saldo -16 (Vorjahr -30) und die Geschäftserwartungen mit einem Saldo +6 (Vorjahr -11,5) sprechen Bände. Traub fasste zusammen: „Gestiegene Arbeitskosten und überbordende Bürokratie. Das offenbart, wie dringend eine spürbare und dann messbare Wende in der Wirtschaftspolitik nötig ist.“ Und sie warnte: „Geduld und Zuversicht sind gefragt – aber Geduld ist endlich.“

Unter Moderation von Dr. Julia Hagel diskutierten Dr. Hans-Ulrich Rülke, IHK-Präsidentin Claudia Gläser, IHK-Vizepräsident Dr. Kurt Schmalz und Unternehmer Dr. Philipp Reisert mit den Gästen die Frage, wie das Vertrauen der Wirtschaft in Baden-Württemberg gestärkt werden kann.
Claudia Gläser betonte, dass Bürokratieabbau oberste Priorität haben müsse: „Es muss Erleichterungen bringen – bei Gewerbesteuer, Infrastruktur oder Digitalisierung. Nur so bleiben Unternehmen hier, statt Investitionen ins Ausland zu verlagern.“
Dr. Kurt Schmalz hob hervor, dass mehrere Themen gleichzeitig angegangen werden müssten.
Arbeitskosten, Flexibilität und Bürokratie – und klare Technologiepfad, wie z.B. Robotik. Das Land muss auch bei Energie- Speichertechnologien vorausgehen und wegweisend sein, damit die Wirtschaft spürt: Es passiert etwas.
Dr. Kurt Schmalz
Dr. Philipp Reisert forderte, dass die Politik mit gutem Beispiel vorangeht: „Walk the talk. Als effizienzorientierter Unternehmer fragt man sich: Braucht es elf Ministerien in Baden-Württemberg? Hier könnte man sagen: Wir reduzieren im Verwaltungsapparat.“

Dr. Rülke erwiderte, dass Bürokratie das erste Thema sei, das angegangen werden müsse.
Die Unternehmen sagen klar: Bürokratie ist die größte Benachteiligung für die Wirtschaft. Das müssen wir ändern.
Dr. Hans-Ulrich Rülke
Er sprach sich zudem dafür aus, Regierungspräsidien, Regionalverbände und Landkreise zu einer Ebene zusammenzulegen, und für eine Verschlankung des Ministerienapparats.
Ein zentrales Anliegen der Wirtschaft bleibt der Abbau von Bürokratie. Die Diskussion zeigte, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht, um Unternehmen wieder mehr Freiräume für Innovation und Wachstum zu geben. Weitere Themen der Diskussion waren die Digitalisierung der Verwaltung, die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, Investitionen in Infrastruktur und Energie sowie eine Bildungspolitik, die Fachkräftesicherung in den Mittelpunkt stellt.
„Das Wirtschaftspolitische Jahresgespräch hat erneut gezeigt: Der direkte Austausch zwischen Wirtschaft und Politik ist unverzichtbar. Die IHK Nordschwarzwald wird diesen Dialog weiter intensivieren, um die Interessen der Unternehmen zu vertreten und konkrete Verbesserungen anzustoßen“, fasste Claudia Gläser zusammen.
Wir brauchen weniger Bürokratie, mehr Raum für Innovation und eine verlässliche Standortpolitik – nur so bleibt Baden-Württemberg wettbewerbsfähig.
Claudia Gläser
pm / mm
18.12.2025
„Geduld und Zuversicht sind gefragt – aber Geduld ist endlich.“
Die Wirtschaft im Nordschwarzwald steht unter Druck. Beim „Wirtschaftspolitischen Jahresgespräch“ der IHK Nordschwarzwald diskutierten Politik und Wirtschaft über Bürokratieabbau, Infrastruktur und Fachkräftesicherung. Als Gastredner begrüßte die IHK Nordschwarzwald den Vorsitzenden der FDP-/DVP-Landtagsfraktion, Dr. Hans-Ulrich Rülke MdL, der sich gemeinsam mit Vertreter:innen aus der Wirtschaft den drängenden Fragen der Region stellte.
Claudia Gläser eröffnete den Abend im IHK-Haus Pforzheim mit einem klaren Appell: „Wir erleben Unsicherheit, strukturelle Veränderung und neue Herausforderungen – umso wichtiger ist der Austausch zwischen Wirtschaft und Politik.“ Sie machte deutlich, wie ernst die Lage für die Unternehmen im Nordschwarzwald ist: Auftragsrückgänge und Insolvenzen belasten viele Betriebe. Gleichzeitig suchen andere Unternehmen händeringend Personal, während zu viele junge Menschen ohne Ausbildung bleiben. Hinzu kommen gestiegene Arbeitskosten, fehlender Wohnraum und schleppende Verwaltungsdigitalisierung.
Gläser betonte die Rolle der IHK: „Als größter Anbieter beruflicher Bildung in der Region unterstützen wir Betriebe und begleiten Jugendliche auf ihrem Weg in die Ausbildung. Wir schaffen Orientierung, vernetzen Schulen und Unternehmen und bieten praxisnahe Weiterbildung für Transformation und Digitalisierung.“ Ihr Fazit: „Die Herausforderungen sind groß. Aber sie sind lösbar, wenn wir gemeinsam handeln.“
In seinem Impulsvortrag widmete sich Dr. Hans-Ulrich Rülke vor allem den Themen Bürokratieabbau, Transformation, Infrastruktur und Bildungspolitik. „Ohne Wirtschaft ist unser Wohlstand nicht zu erhalten“, sagte Rülke und forderte Investitionen in Infrastruktur sowie eine konsequente Verwaltungsreform.
Mit Blick auf die Landespolitik sagte Rülke: „Wir werden das ganz große Rad nicht drehen können […], aber was die Landespolitik tun kann: eine Verbesserung der Infrastrukturen – schnelles Internet, Verkehrsinfrastruktur, Energieversorgung und Transformation.“
Zu seinen zentralen Forderungen gehörten:
Beim Thema Bildung forderte Rülke einen Mentalitätswechsel: „Wir brauchen wieder den Leistungsgedanken in dieser Gesellschaft und Bildung. Junge Menschen wollen Wettbewerb, sie wollen sich messen.“ Er sprach sich für die Stärkung der Realschule und die Rückkehr zur Werkrealschule aus und betonte: „Wir sind eine Leistungsgesellschaft, auch für die Unternehmen.“
Die Hauptgeschäftsführerin der IHK Nordschwarzwald, Tanja Traub, zeigte mit den aktuellen Ergebnissen der regionalen Konjunkturbefragung die angespannte Lage der Wirtschaft: „Das Bruttoinlandsprodukt ist im Jahr 2023 deutschlandweit um 0,9 % zurückgegangen. Im Jahr 2024 ist es nochmals um 0,5 % geschrumpft. Diese Zahlen sind eindeutig. Die Lage ist ernst.“
Die Geschäftslage im Nordschwarzwald bleibt herausfordernd: 24 % der Unternehmen berichten von einer guten Geschäftslage, 24 % von einer schlechten, 52 % von einer befriedigenden. Auch der Auftragseingang mit einem Saldo -16 (Vorjahr -30) und die Geschäftserwartungen mit einem Saldo +6 (Vorjahr -11,5) sprechen Bände. Traub fasste zusammen: „Gestiegene Arbeitskosten und überbordende Bürokratie. Das offenbart, wie dringend eine spürbare und dann messbare Wende in der Wirtschaftspolitik nötig ist.“ Und sie warnte: „Geduld und Zuversicht sind gefragt – aber Geduld ist endlich.“

Unter Moderation von Dr. Julia Hagel diskutierten Dr. Hans-Ulrich Rülke, IHK-Präsidentin Claudia Gläser, IHK-Vizepräsident Dr. Kurt Schmalz und Unternehmer Dr. Philipp Reisert mit den Gästen die Frage, wie das Vertrauen der Wirtschaft in Baden-Württemberg gestärkt werden kann.
Claudia Gläser betonte, dass Bürokratieabbau oberste Priorität haben müsse: „Es muss Erleichterungen bringen – bei Gewerbesteuer, Infrastruktur oder Digitalisierung. Nur so bleiben Unternehmen hier, statt Investitionen ins Ausland zu verlagern.“
Dr. Kurt Schmalz hob hervor, dass mehrere Themen gleichzeitig angegangen werden müssten.
Arbeitskosten, Flexibilität und Bürokratie – und klare Technologiepfad, wie z.B. Robotik. Das Land muss auch bei Energie- Speichertechnologien vorausgehen und wegweisend sein, damit die Wirtschaft spürt: Es passiert etwas.
Dr. Kurt Schmalz
Dr. Philipp Reisert forderte, dass die Politik mit gutem Beispiel vorangeht: „Walk the talk. Als effizienzorientierter Unternehmer fragt man sich: Braucht es elf Ministerien in Baden-Württemberg? Hier könnte man sagen: Wir reduzieren im Verwaltungsapparat.“

Dr. Rülke erwiderte, dass Bürokratie das erste Thema sei, das angegangen werden müsse.
Die Unternehmen sagen klar: Bürokratie ist die größte Benachteiligung für die Wirtschaft. Das müssen wir ändern.
Dr. Hans-Ulrich Rülke
Er sprach sich zudem dafür aus, Regierungspräsidien, Regionalverbände und Landkreise zu einer Ebene zusammenzulegen, und für eine Verschlankung des Ministerienapparats.
Ein zentrales Anliegen der Wirtschaft bleibt der Abbau von Bürokratie. Die Diskussion zeigte, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht, um Unternehmen wieder mehr Freiräume für Innovation und Wachstum zu geben. Weitere Themen der Diskussion waren die Digitalisierung der Verwaltung, die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, Investitionen in Infrastruktur und Energie sowie eine Bildungspolitik, die Fachkräftesicherung in den Mittelpunkt stellt.
„Das Wirtschaftspolitische Jahresgespräch hat erneut gezeigt: Der direkte Austausch zwischen Wirtschaft und Politik ist unverzichtbar. Die IHK Nordschwarzwald wird diesen Dialog weiter intensivieren, um die Interessen der Unternehmen zu vertreten und konkrete Verbesserungen anzustoßen“, fasste Claudia Gläser zusammen.
Wir brauchen weniger Bürokratie, mehr Raum für Innovation und eine verlässliche Standortpolitik – nur so bleibt Baden-Württemberg wettbewerbsfähig.
Claudia Gläser
pm / mm
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