Hanf statt Holz: Pforzheimer Designer baut Gitarren aus ungewöhnlichem Material

Der Industriedesigner Jakob Frank hat mit seiner „Canna Guitar“ ein Instrument geschaffen, das anders ist als andere Gitarren: eine handgefertigte Akustikgitarre aus Hanf. In seiner Werkstatt in Pforzheim-Dillweißenstein baut er jährlich rund zehn dieser außergewöhnlichen Instrumente – und gewinnt damit international Aufmerksamkeit.
Mit ihren runden Formen hebt sich die Canna Guitar optisch deutlich von klassischen Modellen ab.

29.08.2025 | von Sandra Gallian

„Meine erste Gitarre war aus Aluminium, eine andere hatte Kuhhörner.“
Jakob Frank

Vom Hobby zum Beruf

Die Leidenschaft für Gitarren begleitet Jakob Frank schon seit seiner Jugend. Mit 15 fing er an Gitarre zu spielen, in der Werkstatt seines Vaters experimentierte er später mit ungewöhnlichen Materialien. „Meine erste Gitarre war aus Aluminium, eine andere hatte Kuhhörner“, erinnert er sich. Nach seinem Bachelor in Industriedesign an der Hochschule für Gestaltung hat er 2017 den Gitarrenbau zu seinem Beruf gemacht. Zunächst arbeitete Frank in einer Schreinerei in Tiefenbronn, dann hatte er sein Atelier in der Pforzheimer Innenstadt, seit Januar ist er mit seiner Werkstatt nach Dillweißenstein umgezogen. Pro Jahr entstehen dort rund zehn Instrumente – jedes ein Unikat, für das zwischen 4.500 und 6.000 Euro fällig werden

Der Korpus der außergewöhnlichen Gitarre besteht vollständig aus Hanf.

Hanf als Werkstoff: Die Canna Guitar

Das Herzstück seiner Innovation ist der Korpus aus Hempstone, einem Naturfaserverbund aus Hanf und Wasser, ganz ohne synthetische Bindemittel. Produziert wird der Korpus vom österreichischen Instrumentenbauer Norbert Schmid, mit dem Frank eng zusammenarbeitet. „Der Korpus von normalen Akustik-Gitarren ist aus Holz. Meine Gitarren sind aus Hempstone“,erklärt Frank. Quasi aus einem sehr harten Papier. Die Verarbeitung ist aufwändig: Die Hanffasern werden mit Wasser zu einer Masse vermahlen und Schicht für Schicht auf eine Form aufgespritzt. Nach vier Tagen Trocknung härtet das Material extrem hart aus – vergleichbar mit Hartholz. Der Vorteil: Durch runde Korpusformen wird der Schall besonders gut reflektiert. Die Gitarre liegt schmaler am Körper an und klingt lauter und tragfähiger als klassische Modelle.

Präzise übernimmt die CNC-Fräse das Herausarbeiten der Gitarrenform.

Handwerkliche Präzision und Detailarbeit

Neben dem Korpus aus Hanf setzt Frank auch auf edle Hölzer wie thermobehandelte Fichte und Ahorn, dazu Schellack-Handpolitur und exakt eingestellte Saitenlage. „Die Gitarre klingt sehr ausgewogen, man hört sich selbst beim Spielen hervorragend“, betont er. Auch technisch geht Frank eigene Wege: Der Hals ist nicht verleimt, sondern verschraubt und mit Carboneinlagen verstärkt. Das erleichtert Reparaturen, gerade beim Versand ins Ausland.

Auch der Griff der Gitarren entsteht präzise mit der CNC-Fräse.

Leidenschaft statt Profit

„Reich wird man mit dieser Art von Handwerk nicht“, sagt Frank offen. Die Investitionen seien enorm, allein Maschinen und Materialien verschlingen schnell hohe Summen. Doch der finanzielle Aspekt steht für ihn nicht im Vordergrund – vielmehr die Leidenschaft für sein Handwerk und die Freude daran, mit viel Liebe zum Detail Stück für Stück entstehen zu lassen. Diese Hingabe bleibt nicht unbemerkt: Mittlerweile finden seine Arbeiten nicht nur in Deutschland Anklang, sondern werden auch in die USA, nach Kanada und bis nach Japan verkauft. Seine Kundschaft findet er vor allem über Social Media und seinen YouTube-Kanal, in dem er den Gitarrenbau dokumentiert.

Zwischen Experiment und Anerkennung

Manchmal stößt Frank bei Interessenten zunächst auf Skepsis. „Das Material Hempstone ist vielen noch unbekannt“, erklärt er. Gerade bei Gitarren kämen Fragen nach Stabilität und Klangqualität auf – verständlich, schließlich spielt das Material eine entscheidende Rolle für den Sound. Doch diese Zweifel zerstreuen sich schnell: Renommierte Musiker wie Alan Gogoll und Michael Wattshaben Franks Instrumente eingehend getestet und zeigen sich begeistert. Sie bescheinigen den Gitarren aus Hanfverbundstoff nicht nur eine besondere Ästhetik, sondern auch ausgewogene, warme Klangeigenschaften, die sich im professionellen Einsatz bewähren. Für Frank ist klar: Er will weiter experimentieren – auch mit Holz. „Es gehört zu meiner Identität, dass ich immer wieder was ausprobiere. Sonst wäre es langweilig.

Nicht nur Hanf, auch Holz wird hier zu formschönen Gitarren verarbeitet.

Alle Bilder von Sandra Gallian

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