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"Handel 2030" für pulsierende Innenstädte

Städte kleiner und mittlerer Größe nach dem Pandemie-Tief und inmitten des Strukturwandels im Handel unterstützen – diese Initiative des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg unterstützt die IHK Nordschwarzwald mit einem Innenstadtberater. WirtschaftsKraft hat sich bei einigen Kommunen im Nordschwarzwald umgehört.
Baden-württembergische Städte können mit Fördermitteln einen Innenstadtberater engagieren. ©DorisLöffler

Von Gerd Lache | 19.07.2021

Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg fördert einen Innenstadtberater bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald mit. Die Förderung ist Teil der Initiative „Handel 2030“ des Landes Baden-Württemberg.

IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler sagt: „Wir unterstützen die Initiative des Wirtschaftsministeriums, mit der Stelle des Innenstadtberaters die Akteure in unseren Innenstädten bei der Bewältigung der Folgen der Corona Pandemie zu stärken.“

Der strukturelle Wandel führt laut Keppler „zu massiven Frequenzverlusten, deutlichen Umsatzeinbußen der lokalen Akteure und in der Folge zu Leerständen“. Hier gelte es, mit aller Kraft gegenzusteuern, „dass unsere Städte ihr unverwechselbares Flair und ihre Attraktivität in der Region Nordschwarzwald behalten“.

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut übergibt vor dem Stuttgarter Landtag den Förderbescheid für den regionalen Innenstadtberater an IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler (rechts), begleitet von Landtagsabgeordnetem Erik Schweickert (FDP), der den Wahlkreis „Enz“ betreut. ©FranziskaKraufmann

Der Innenstadtberater zeichnet sich durch besondere Einzelhandelsexpertise aus und ist auf Wunsch der Kommune und der lokalen Akteure tätig. Gefördert werden sollen Kommunen mit Einwohnerzahlen zwischen 10.000 und 50.000.

Zu den Aufgaben des Innenstadtberaters gehört die Analyse des jeweiligen Innenstadtbereichs, um daraus Konzepte zur Stärkung der Innenstädte zu entwickeln. Bei Bedarf kann der Innenstadtberater auch bei der Umsetzung unterstützen. Insbesondere wird er die lokalen Aktivitäten dazu moderieren und unterstützen.

„Der Innenstadtberater wird alle Aktivitäten gemeinsam mit den lokalen Partnern planen und durchführen. Keine Kommune muss daran teilnehmen. Aber es unser Ziel ist es, auch für Kommunen, die vielleicht im ersten Schritt durch die begrenzten Kapazitäten nicht direkt mit versorgt werden können durch den Transfer von Best Practise zu unterstützen“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Keppler.

Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbandes Baden-Württemberg. ©WolfgangList

Handelsverband bietet Expertise an

„Es ist positiv, dass die Landesregierung die Notwendigkeit erkennt, Innenstädte zu fördern und sie dadurch vor der Verödung zu bewahren“, betont Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbandes Baden-Württemberg.

Innenstadtberater könnten ein Werkzeug unter vielen sein. Die Förderung beschränke sich allerdings aktuell nur auf Städte mit einer Einwohnerzahl zwischen 10.000 und 50.000 Einwohnern. Doch „auch die Zentren größerer Städte benötigen Förderung“, macht Hagmann deutlich. „Hier stehen wir als Handelsverband gerne bereit, um unsere gesammelte Expertise weiterzugeben und dadurch den größeren Städten in Baden-Württemberg bei der Belebung ihrer Innenstädte zu helfen.“

Innenstadt von Nagold. ©DorisLöffler

Nagold, rund 23.000 Einwohner

„Der Ansatz ist aus unserer Sicht absolut richtig und wichtig. Wir setzen bereits seit über 20 Jahren auf kompetente externe Beratung in Bezug auf die Weiterentwicklung unserer Innenstadt. Unsere Erfahrungen mit dem Expertenblick von außen sind durchweg positiv“, macht Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann deutlich.

 Derzeit setze die Stadt „auf die Expertise unseres langjährigen Kooperationspartners. Jedoch sehen wir es positiv, dass sich das Angebot an Beratungsleistungen für die Kommunen erweitert“. 

 Die Herausforderungen steigen – nicht nur durch die Pandemie. Grundsätzlich gelte es, dafür Sorge zu tragen, dass der Mix aus öffentlicher Infrastruktur (Straßen, Wege, Gestaltung der öffentlichen Räume) und den Angeboten von Gastronomie, Einzelhandel, Dienstleistungen mit den sich verändernden Ansprüchen von Kunden und Gästen einher geht.

Die Themen Events, Freizeit, Genuss, Erholung und Einkaufen sind Großmann zufolge in Nagold die tragenden Säulen einer attraktiven Innenstadt  und damit „gute Gründe für Gäste und Besucher aus Nah und Fern, immer wieder gerne nach Nagold zu kommen. In diesen Bereichen passende Angebote zu präsentieren, ist der Anspruch aller Akteure in unserer Stadt“.

Mit der Fertigstellung der Neckartal-Querung erwartet Horb am Neckar neue Ansätze für die Innenstadt. ©Verkehrsministerium

Horb am Neckar, rund 25.000 Einwohner

„Der Blick von außen auf die Situation in der Horber Innenstadt ist, neben der Expertise aus der eigenen Stadt, sicherlich sehr wertvoll“, meint Oberbürgermeister Peter Rosenberger. Die Stadt Horb a. N. sei bereits im Kontakt mit der IHK Nordschwarzwald, bei der die Stelle der Innenstadtberatung geschaffen werden soll, nachdem die Zuschusszusage des Wirtschaftsministerium vorliege.

„Unsererseits ist geplant, dass wir uns für die Beratung bewerben, da das Thema auch sehr gut zu möglichen und notwendigen Veränderungen in der Horber Innenstadt passt, wenn die Horber Hochbrücke einmal steht, die sich momentan im Bau befindet und bis 2025 fertiggestellt werden soll.“

Mit dem Bau der B32-Neckartalquerung soll OB Rosenberger zufolge vor allem der überörtliche Verkehr aus der Horber Innenstadt über die neue Hochbrücke gelenkt werden. „Das eröffnet für die Horber Innenstadt und ihre ansässigen Betriebe die Möglichkeit, die Innenstadt neu zu denken und Räume für eine Innenstadtnutzung zurückzuerobern. Eine flankierende Innenstadtberatung würde sich in diesem Zusammenhang sehr gut anbieten.“

Innenstadt von Freudenstadt. ©GerdLache

Freudenstadt, rund 24.000 Einwohner

Auch die Wirtschaftsbeauftragte der Stadt Freudenstadt begrüßt das Projekt Innenstadtberater. „Wir freuen uns, wenn wir für unsere Innenstadt entsprechenden Input von außen bekommen. Ich denke, das ist auf jeden Fall ein wichtiges Tool für Freudenstadt“, erklärt Elke Latscha.

Mit der entsprechenden Expertise des Innenstadtberaters, mit dem Blick von außen, hofft die Wirtschaftsbeauftragte auf neue Impulse nach dem Experten-Blick „auf die Innenstadt und unsere Innenstadtmarketing-Aktivitäten zusammen mit dem Stadtmarketing-Verein“.

Glücklicherweise habe Freudenstadt bislang keine Corona-bedingte Schließung zu verzeichnen. Dennoch sei Leerstand – nicht nur in Freudenstadt – ein besonderes Thema. „Aus diesem Grund haben wir auch das Projekt Pop-Up-Store ins Leben gerufen.“

Freudenstadt zeichne sich durch einen hohen Einzelhandelsbesatz aus, „wir haben sehr viele, teilweise kleinstrukturierte Läden“, was unter anderem auch den Reiz für Shopping-Bummler, Touristen und Einheimische ausmache. Eine externe Innenstadtberatung  könne hier sicher noch interessante Ansätze hervorbringen.


Siehe dazu auch folgenden Beitrag

https://wirtschaftskraft.de/artikel/ihk-nordschwarzwald-erhaelt-155-04000-euro-fuer-innenstadt-check

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