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Direktor des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP)

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„Geht in den Köpfen Eurer Zielgruppe spazieren“ – Jungunternehmer Geppert gibt Tipps beim digitalen Start-up Evening

Die Premiere des ersten digitalen Start-up Evening Nordschwarzwald ging mit knapp unter 100 Gründungsinteressierten und erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern über die virtuelle Bühne.
Gründungsinteressierte holten sich beim ersten digitalen Start-up Evening Nordschwarzwald Tipps für den Start in die Selbstständigkeit. ©Entrepeneur

Von Gerd Lache | 21.03.2021

Man ist nie zu alt, um etwas Neues zu beginnen.
Helmut Burger, Gründer der Firma Jimbu – Freude am Camping

„Geht in den Köpfen Eurer Zielgruppe spazieren“, rät Moritz Geppert allen Gründungsinteressierten und Unternehmen beim digitalen Start-up Evening Nordschwarzwald. Was meint der Pforzheimer Jungunternehmer, Jahrgang 1996, damit? Er hat 2015 mit PersonalCampus seine erste Firma gegründet und ist inzwischen über die bundesdeutsche Landkarte verteilt an sechs Unternehmen beteiligt.

Geppert erklärt: Es sei wie eine Schatztruhe, die Probleme und Wünsche der Kunden zu kennen. Wer ihnen als Unternehmen Lösungen biete, habe einen hohen Stellenwert. Er nennt ein Beispiel: SodaStream verschaffe mit seinem Wassersprudler all jenen Erleichterung, die keine Lust hätten, Getränkekisten zu schleppen. Das Gerät kann nicht nur zuhause per Knopfdruck Leitungswasser in ein prickelndes Getränk verwandeln. Damit würden laut  Hersteller bis 2025 auch 67 Milliarden Einweg-Plastikflaschen eingespart.

Problemlöser sein ist einer von mehreren Tipps, die Geppert als Keynote-Speaker der Digitalveranstaltung den knapp mehr als 80 Gründungsinteressierten auf den unternehmerischen Weg mitgibt. Sein Oberthema: Positionierung, also das Aufbauen eines positiven Bildes und eines klaren Nutzens, mit dem ein Unternehmen bei seiner Zielgruppe ein Alleinstellungsmerkmal erzielt und sich vom Wettbewerb abhebt.

Wesentlich sei es, eine Nische zu besetzen und nicht in das Haifischbecken des Marktes zu springen. Denn dort würden sich viele gleichartige Firmen einen harten Wettbewerbskampf liefern. Besser also: „Rauskommen aus der Vergleichbarkeit“ rät Geppert.

Erst wenn Positionierung und Strategie feststünden, sei der Zeitpunkt gekommen für Marketing und Vertrieb. Eine weitere Hürde, die es zu überwinden gilt, sei die Nutzen-Kommunikation. Geppert: „Viele Gründer haben tolle Innovationen, aber sie schaffen es nicht, diese zu kommunizieren.“ Deshalb mahnt er: „Ihr müsst nicht nur gut sein, sondern auch gut präsentieren können.“

Zu den Akteuren des Start-up Evening gehörten WFG-Geschäftsführer Jochen Protzer (oben) sowie Moderatorin Carina Brunner und Keynote-Speaker Moritz Geppert. ©Screenshot_GerdLache

Mit der Digital-Premiere des Start-up Evening präsentierte die Initiative Ökosystem Nordschwarzwald mehrere Best-Practice-Beispiele. Moderatorin Carina Brunner, Kreissprecherin der Wirtschaftsjunioren Nordschwarzwald, stellte Augenoptiker-Meisterin Silke Gehrig aus Pforzheim-Büchenbronn vor. Sie startete nach eigener Erzählung vor zehn Jahren mit der Firma „Sehenswert Optik“ in die Selbstständigkeit – „mit Energie, Angst und Herzblut“. Ihr Tipp: die passenden Ansprechpartner suchen. Das Ökosystem Nordschwarzwald sei eine gute Adresse. Und vor allem sollten die Ratgeber mit Fragen „ausgepresst werden, wie ein Zitrone“. Jörg Fuchs von der Handwerkskammer Karlsruhe „war meine Zitrone“, sagte Gerhring.

Helmut Burger, Chef der Firma Jimbu – Freude am Camping (Knittlingen) ist ein Spätberufener. Mit 45 Jahren gab er seine Festanstellung in der Entwicklung eines großen Automobilherstellers auf und machte seinen Nebenjob zum Hauptberuf. Für ihn sei es von Anfang an wichtig gewesen, auch Arbeiten delegieren zu können, „nicht alles selbst machen“. Und immer die Liquidität und die Rentabilität im Blick behalten. Über seine 80-Stunden-Arbeitswoche ist er nicht unglücklich: „Es macht Spaß.“

Die Philosophie von Design-Ingenieurin Theresa Föhrenbacher ist eine Balance zwischen höchstem Design- und Qualitätsanspruch sowie fairen Bedingungen für Produzent und Endkunde. Geprägt hat sie ein längerer Afrika-Aufenthalt als Modeschul-Lehrerin mit tieferen Einblicken in ausbeuterische Produktionsbedingungen. „Das geht auch anders“, sagte sich die Jungunternehmerin und gründete die Firma hesa.design (Waldbronn). Geholfen hätten ihr ein Existenzgründer-Crashkurs der Arbeitsagentur sowie ein Existenzgründer-Seminar der Handwerkskammer Karlsruhe. Ohne Scheu mögliche Hilfsangebote annehmen, ist ihr Ratschlag.

Metzgermeister und Fleisch-Somelier Timo Scheytt hat sich im Alter von 23 Jahren selbstständig gemacht. Er übernahm in Mühlacker –Dürrmenz mit der Firma Bossert einen bestehenden Betrieb. Rund 95 Prozent des Angebots produziere er selbst, dazu ein hoher Qualitätsanspruch und Konzentration auf regionale Produkte – das sei einer der Gründe dafür, dass Kunden aus dem weiten Umkreis zur Metzgerei zählen. Zwar habe sein Unternehmen einen relativ hohen Bekanntheitsgrad. Aber in den Sozialen Medien wie Facebook und Instagram ist Scheytt recht aktiv, erklärt er: „Wichtig ist es, mindestens ein bis zweimal pro Woche etwas zu posten.“ Dabei gehe es nicht nur um Erfolgsmeldungen. „Auch wenn etwas schief gegangen ist, dann poste ich das.“

Damir Vuckovac ist 2012 mit einem 70.000-Euro-Kredit der Sparkasse Pforzheim Calw gestartet. Sein Multi-Channel-Unternehmen E-Xplosion mit Hauptsitz in Pforzheim hat sich auf den Vertrieb von Laufschuhen, Laufbekleidung und Laufzubehör spezialisiert. Inzwischen betreibt er sechs Filialen, darunter Heidelberg, Karlsruhe, Oberstaufen und Stuttgart. Fünf bis sechs Jahre brauche es, um en Fachgeschäft aufzubauen, so die Erfahrung von Vuckovac. Rund 12 bis 15 Prozent des Umsatzes fließen bei E-Xplosion in das Werbebudgets. Bekanntheit verschaffte sich Vuckovac zu Beginn über Google Adwords. Inzwischen bedient er regelmäßig 150.000 Newsletter-Abonennten.

Unisono erklären alle Unternehmerinnen und Unternehmer aus ihren Gründer-Erfahrungen, dass das Einbinden eines guten Steuerberaters das A&O seien. Und nicht zuletzt, so Vuckovac: „Die Auswahl der Mitarbeiter ist superwichtig.“

Im Schlusswort berichtete Jochen Protzer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH (WFG) über den Digital Hub mit Sitz in Pforzheim, der für dieses Event zum Studio umgebaut worden sei. Außerdem wies Protzer auf die Partnerschaft der WFG mit dem Online-Magazin WirtschaftsKraft hin, das sich als Marketing-Plattform für Start-ups empfiehlt.

Das nächste Start-up-Treffen soll als Präsenz-Veranstaltung in Nagold stattfinden. ©Screenshot_GerdLache


Ökosystem Nordschwarzwald

Die Initiative mit 23 Mitgliedern unter dem Dach der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH (WFG) entwickelt, plant und setzt nach eigenen Angaben gemeinsame Veranstaltungen für Startups und etablierte Unternehmen um, vernetzt gezielt Akteure wie Gründungsberater und -beraterinnen mit Gründern und Gründerinnen und fördert den aktiven Austausch zwischen Unternehmern, Startups, Investoren und Institutionen.

Mitglieder und Förderer sind Campus Schwarzwald (Freudenstadt), Design Factory Pforzheim, Digital Hub Nordschwarzwald, EMMA Kreativzentrum Pforzheim, Entrepreneurs Pforzheim, Handwerkskammer Karlsruhe, Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald, Innotec (Zentrum für Software, Techbnik und Design) Pforzheim, die Landkreise Calw, Freudenstadt und Enzkreis sowie die Firmen Membratech und Priomold, die Sparkasse Pforzheim Calw und die Städte Calw, Freudenstadt, Horb, Mühlacker und Nagold, außerdem Steinbeis-Forschungszentrum Simulation und Steinbeis-Zentren Unternehmensentwicklung an der Hochschule Pforzheim, das Technologizentrum Horb am Necker, die Volksbank Pforzheim, die Wirtschaftsjunioren Nordschwarzwald, der städtische Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim und schließlich die Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald. gel

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