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Oliver Reitz

Direktor des Eigenbetriebs Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP)

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Bestseller-Autor Sieren: China ist dem Westen mit vielen Innovationen voraus

„China! Zukunft?! – wie die neue Supermacht unser Leben, unsere Politik und unsere Wirtschaft verändert“. Unter diesem Thema stand das zweite Event der Veranstaltungsreihe „Schwarzwandel – Quelle neuer ideen und Impulse“ des Campus Schwarzwald in Freudenstadt. Keynote Speaker, China-Experte und Bestseller-Autor Frank Sieren warnte Europa: Bei Innovationen nicht mehr nur ins Silicon Valley blicken.
Das Veranstaltungsformat „Schwarzwandel“ am Campus Schwarzwald in Freudenstadt befasste sich vor rund 80 Teilnehmenden dieses Mal mit der „Supermacht China“. ©CampusSchwarzwald

11.12.2022 | pm/gel

Das Thema China beschäftigte derzeit nicht nur den Mittelstand im Schwarzwald, sondern ganz Deutschland. Denn die Supermacht verändere und beeinflusse „unser Leben, unsere Politik und unsere Wirtschaft“, erklärt Frank Sieren den rund 80 Zuhörenden aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Der gebürtige Saarbrücker lebt und arbeitet seit 1994 in Peking.

Innovation sei längst nicht mehr planbar, von dieser Utopie hätten sich die chinesischen Kommunisten bereits vor langer Zeit verabschiedet. Dafür hätten sie begonnen, Cluster zu schaffen und sie mit Geld, Personal und Infrastruktur auszustatten. Im freien Wettbewerb würden diese nun versuchen, die beste Innovation zu entwickeln. „Das ist eine dramatische Veränderung und der Beginn eines Innovationsschubes, welcher zukünftig noch ein größeres Ausmaß annehmen wird“, warnt Sieren.

Spielregeln bestimmen nun andere

Dieser Innovationsschub führe dazu, dass es für den Westen zunehmend schwieriger werde, die Spielregeln für die Mehrheit zu bestimmen. „Denn nicht nur China, sondern auch Asien, Südamerika und Afrika lassen sich nicht länger vom Westen in die eine oder andere Richtung zwingen.“

Den Chinesen seien eigene Innovationen immer wichtiger. So seien sie schon heute dem Westen in vielen Themen einen Schritt voraus. „Insbesondere das autonome Fahren wird das Auto und die Mobilität auf so dramatische Weise verändern, wie der Übergang vom Pferdefuhrwerk zum Fahrzeug mit Verbrennungsmotor“ prophezeit Sieren.

Das Veranstaltungsformat „Schwarzwandel“ am Campus Schwarzwald in Freudenstadt befasste sich vor rund 80 Teilnehmenden dieses Mal mit der „Supermacht China“. ©CampusSchwarzwald

Künftig mit Werten überzeugen

Aber was bedeuten diese Veränderungen für Europa? „Europa ist nicht mehr wie einst in der Position, China Sanktionen aufzuerlegen. Denn diese funktionieren nicht mehr, da wir keine Mehrheit dafür finden. Wir müssen zukünftig mit unseren Werten überzeugen“, meint Sieren und sagt: „Früher hat uns der Tisch gehört, an dem die Werte der Weltordnung besprochen wurden und wir haben bestimmt, wer an diesem Tisch sitzen darf. Heute müssen vor allem die Europäer froh sein, wenn sie noch einen Platz an diesem Tisch bekommen. Und an diesem Tisch bekommen wir nur einen Platz, wenn wir wirtschaftlich stark sind.“

Die Europäische Wirtschaft und Politik müsse einen Perspektivwechsel üben, um weiterhin wirtschaftlich stark bleiben zu können. Sie müssten zukünftig mit anderen Ländern zusammenarbeiten, gemeinsam neue Produkte entwickeln und sich auf die neuen Märkte sowie die globale Situation einstellen. Sieren warnt: „Wir dürfen, wenn es um Innovationen geht, nicht mehr nur in das Silicon Valley schauen, sondern müssen mit der gleichen Intensität und Akribie auch nach Asien und China blicken.“

Geändertes Konsumverhalten der Chinesen

Damit meint der studierte Politikwissenschaftler mit Schwerpunkt Wirtschaft, dass China in jüngster Vergangenheit nicht nur einen wirtschaftlichen Wandel durchlaufen hat. Auch das Konsumverhalten der Chinesen habe sich verändert. Für Sieren ist der direkte Dialog mit China der Schlüssel für die deutsche Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Die anschließende Podiumsdiskussion, moderiert von Campus-Geschäftsführer Stefan Bogenrieder, gab einen Einblick in den Berufsalltag mit China aus wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und politischer Sichtweise. In seiner ehemaligen Rolle als Vorstandsvorsitzender der Dürr AG war Ralf Dieter mehrere Male in China. Sein Rat: Wer eine Tochterfirma in China hat oder aufbauen möchte, solle diese möglichst autark aufstellen. Umso besser werde man auf dem Chinesischen Markt wahrgenommen.

Jeder sollte mal nach China reisen

Michael Lickefett erlebt die Innovationsentwicklung in China als sehr vielfältig. Der Wissenschaftler, der für den Aufbau des Smart Manufacturing in Shanghai zuständig ist,  kann jedem empfehlen der die chinesische Kultur in ihrer Denkweise nachvollziehen möchte, selbst nach China zu reisen – um zu verstehen, „warum die Chinesen das, was wir Deutschen machen, ganz anders machen“.

Das nächste Schwarzwandel-Event findet im Frühjahr 2023 statt.

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