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Alpirsbacher Bierflaschen-Strecke zieht sich dreieinhalb mal rund um die Erde

Mit einem „blauen Auge“ ist die Alpirsbacher Klosterbrauerei dem Corona-Jahr 2020 entkommen. Für 2021 kalkuliert das Management ein „leicht positives Jahresergebnis“. Unterdessen feiern die Bierbrauer aus dem Nordschwarzwald das 50-jährige Bestehen der weltweit ältesten Pipeline. Und sie erweitern ihre alkoholfreie Produktlinie um ein Saftschorle-Sortiment.
Es geht wieder erfreulich aufwärts mit dem Umsatz nach dem Corona-Lockdown, sagen die Bierbrauer aus Alpirsbach. ©DorisLöffler

Von Gerd Lache | 06.06.2021

Sie waren die Trendsetter der Branche. Seit nunmehr 50 Jahren fließen die Spezialitäten der Alpirsbacher Klosterbrauerei durch die älteste Bier-Pipeline der Welt. Nach der Inbetriebnahme des Abfüllbetriebs auf dem Gelände der ehemaligen Weberei baute die Familienbrauerei die 980 Meter lange Bier-Pipeline, die unterirdisch in drei Metern Tiefe und mit einem Gefälle von zwei Meter durch halb Alpirsbach verläuft.

„Früher floss durch Rohre fertiges Bier, heute wird darin nur noch die kalte Würze vom Sudhaus im ehemaligen Klostergelände zur Vergärung in die Gär- und Lagerkeller im Werk II gepumpt“, erklärt Brauerei-Chef Carl Glauner. Die Bier-Pipeline mit einem Durchmesser von acht Zentimetern liegt frostsicher in einer Schutzröhre mit einem Durchmesser von 1,10 Meter.

Geschäftsführer Markus Schlör hat ausgerechnet, wie viel Bier in den fünf Jahrzenten seit der Inbetriebnahme geflossen sind: „Bei einem Jahresdurchschnitt von 200 000 Hektoliter kommen wir auf ungefähr eine Milliarde Liter Alpirsbacher Bier.“ Umgerechnet ergebe dies eine Stückzahl von zwei Milliarden Flaschen. Würde man diese aneinanderreihen, ziehe sich auf 141.000 Kilometer eine Bierstrecke entlang – also das Dreifeinhalbfache des Erdumfangs am Äquator, macht Schloer deutlich.

Inzwischen gibt es viele Nachahmer. So liegen Bierleitungen beispielsweise unter der Arena des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04, beim Open-Air-Festival in Wacken (Schleswig-Holstein) oder dem Münchner Oktoberfest.

Die längste Bierleitung der Welt präsentieren Brauereichef Carl Blauner (hinten) und Geschäftsführer Markus Schlör von Alpirsbacher Klosterbräu. ©Alpirsbacher

Unterdessen stieg die Traditionsbrauerei unlängst in ein neues Produkt-Segment ein, mit dem sie ihre Angebotspalette erweitert. Unter dem Namen „Alpirsbacher Klostergarten“ bringen die Schwarzwälder Brauer drei fruchtig-würzige Saftschorle auf den Markt. Die drei alkoholfreien Getränke auf Basis des Alpirsbacher Brauwassers und kombiniert mit Früchten und Kräutern werden in 0,33 –Liter-Glasflaschen in den Geschmacksrichtungen Birne-Ingwer, Apfel-Rosmarin und Apfel Johannisbeere Lavendel angeboten.

 Brauerei-Chef Carl Glauner begründet die Innovation: „Aus der Historie wissen wir, dass Mönche schon immer eine besondere Affinität mit Kräutern hatten. In den Klöstern gab es Gärten mit reichlich Obstsorten. Insofern passt unser neues Saftschorle hervorragend zur Alpirsbacher Klosterbrauerei.“

Beim Blick auf 2020 spricht Glauner – „gemessen an der nationalen Marktentwicklung und der Entwicklung in Baden-Württemberg“ – von einem „blauen Auge“, mit dem die Brauerei das Corona-Jahr abgeschlossen habe.

Laut Geschäftsführer Schlör verlor Alpirsbacher Klosterbräu ein Volumen von 25.000 Hektoliter Fassbier, verursacht durch die großen Absatzverluste von März bis Juli sowie durch den zweiten Lockdown von Oktober bis zum Jahresende 2020. Lediglich im August und September war es Schlör zufolge zu einer „kurzfristigen Normalisierung mit einem Absatz auf Vorjahresniveau“ gekommen.

Bei den Flaschenbieren, den Kloster-Spezialitäten und dem Bier Kleiner Mönch verzeichnete Alpirsbacher zwar „überproportionale Zuwächse“; gleichzeitig gingen die Biermischgetränke und die alkoholfreien Biere stark zurück, weil diese Produkte sehr stark in der Gastronomie distribuiert seien. Auch die Export-Geschäfte entwickelten sich demnach negativ.

Mit Saftschorle hat Alpirsbacher Klosterbräu seine Angebotspalette erweitert. ©Alpirsbacher/Composing_GerdLache

 Trotz der Corona-Krise hob sich die Alpirsbacher Klosterbrauerei nach eigenen Angaben auch 2020 vom allgemeinen Trend auf dem Biermarkt ab. Deutschlandweit verzeichnete die Branche einen Absatzverlust von 5,5 Prozent, beim Export sogar um 13,1 Prozent. Die Zahl der Braustätten in Deutschland verringerte sich in Deutschland um 1,5 Prozent.

Stärker als in Gesamtdeutschland fielen nach Angaben der Schwarzwälder Brauer die Abschmelzungen in Baden-Württemberg aus, wo es ein Minus von 7 Prozent gab, beim Inlandsabsatz sogar um 8,7 Prozent.

Für 2021 geht die Alpirsbacher Klosterbrauerei trotz der erst jetzt im Mai erfolgten, vorsichtigen Öffnungen der Gastronomie von einer Absatzentwicklung wie 2020 aus. Carl Glauner und Markus Schlör blicken optimistisch in die Zukunft: „Aus Sicht der Geschäftsleitung wird es nach dem Ende der langen Schließungszeit in der Gastronomie und Hotellerie zu einer guten Umsatzentwicklung kommen.“

Über Alpirsbacher

Die Alpirsbacher Klosterbrauerei wird in vierter Generation von Carl Glauner geleitet. Der 63-Jährige ist der Urenkel des Brauerei-Gründers Johann Gottfried Glauner, der 1877 das Unternehmen kaufte und damit die Benediktiner-Klosterbrauerei aus dem elften Jahrhundert reaktivierte. 1880 ging die Firma an Carl Albert Glauner über. 1906 erfolgte die Umfirmierung in Alpirsbacher Klosterbräu. Geschäftsführer sind der Inhaber Carl Glauner und Markus Schlör. Das Unternehmen beschäftigt rund 135 Mitarbeiter. Alpirsbacher Biere werden regelmäßig bei den internationalen Bierwettbewerben World Beer Award und European Beer Star ausgezeichnet. Das Familienunternehmen ist Mitglied beim Verbund „Die Freien Brauer“. Die Alpirsbacher Klosterbrauerei Glauner GmbH & Co. KG wurde 2019 von der baden-württembergischen Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut mit der Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. (pm)

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